{"id":134,"date":"2021-07-01T11:02:00","date_gmt":"2021-07-01T11:02:00","guid":{"rendered":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/?p=134"},"modified":"2023-05-31T14:42:42","modified_gmt":"2023-05-31T12:42:42","slug":"kuenstekinderbuch-die-ammen-uhr-aus-des-knaben-wunderhorn-eine-zeitlose-inspirationsquelle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/index.php\/2021\/07\/01\/kuenstekinderbuch-die-ammen-uhr-aus-des-knaben-wunderhorn-eine-zeitlose-inspirationsquelle\/","title":{"rendered":"K\u00fcnste&amp;Kinderbuch. Die Ammen-Uhr aus des Knaben Wunderhorn \u2013 eine zeitlose Inspirationsquelle."},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>von Marie Jansen<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"657\" src=\"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/1843-Ammen-Uhr-Titelblatt_unten-1024x657-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-135\" srcset=\"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/1843-Ammen-Uhr-Titelblatt_unten-1024x657-1.jpg 1024w, https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/1843-Ammen-Uhr-Titelblatt_unten-1024x657-1-300x192.jpg 300w, https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/1843-Ammen-Uhr-Titelblatt_unten-1024x657-1-768x493.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-background wp-block-paragraph\" style=\"background-color:#c9d8f9\">Der Todestag des Komponisten Robert Schumann (1810-1856) j\u00e4hrt sich dieses Jahr zum 165. Mal. Schumann hinterlie\u00df der Nachwelt ein reiches kompositorisches Werk, das so manchen Klaviersch\u00fcler auch heute noch begeistert und herausfordert \u2013 vielleicht sogar auch euch? Und doch sind manche St\u00fccke kaum bekannt, weil sie zu seinen Lebzeiten unver\u00f6ffentlicht blieben. <br>Eines dieser St\u00fccke ist Schumanns Komposition die&nbsp;<em>Ammen-Uhr<\/em>, basierend auf dem gleichnamigen Gedicht, das von Achim von Arnim und Clemens Brentano niedergeschrieben und ver\u00f6ffentlicht wurde. Dieser Text hat viele Kunstschaffende verschiedener Sparten inspiriert. <br><br>Begeben wir uns also auf eine kleine Reise durch die Rezeption dieses Werkes: Von dessen Ver\u00f6ffentlichung bis zur neusten Tonaufnahme von Schumanns Interpretation der&nbsp;<em>Ammen-Uhr<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die&nbsp;<em>Ammen-Uhr<\/em>: Wer? Was? Wann?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1805 stellten die beiden Schriftsteller Achim von Arnim (1781-1831) und Clemens Brentano (1778-1842) ihr gemeinsames Hauptwerk&nbsp;<em>Des Knaben Wunderhorn<\/em>&nbsp;in Heidelberg zusammen, eine Sammlung von Volksliedtexten. Auch das Gedicht&nbsp;<em>Die Ammen-Uhr<\/em>&nbsp;ist Teil dieser Sammlung. Es besteht aus neun vierzeiligen Strophen, die in Reimen verfasst sind und den Verlauf einer Nacht bis zum Tagesanbruch beschreiben. <br><br>Knapp vierzig Jahre sp\u00e4ter wurde das Gedicht aus den 723 Liedtexten herausgel\u00f6st und in einem Strophe f\u00fcr Strophe <a href=\"https:\/\/nbn-resolving.de\/urn:nbn:de:hbz:061:2-33910\">illustrierten Buch<\/a> erneut herausgegeben (Verlag Mayer und Wigand, Leipzig, 1843).&nbsp;An dieser Ausgabe waren zahlreiche Illustratoren beteiligt, darunter Eduard Bendemann (1811\u20131889), Julius H\u00fcbner (1806\u20131882) und Ludwig Richter (1803\u20131884). Sowohl Bendemann als auch H\u00fcbner studierten bevor sie nach Dresden \u00fcbersiedelten an der D\u00fcsseldorfer Kunstakademie. D\u00fcsseldorf und Dresden sind quasi \u00fcber das k\u00fcnstlerische Schaffen dieser \u2013 und weiterer \u2013 Pers\u00f6nlichkeiten verbunden. Das Werk Brentanos und von Arnims regte sie zum Illustrieren an und brachte so die kulturellen Sparten Literatur und Bildende Kunst zusammen. <br><br>Wie die Maler, inspirierte das Gedicht auch einen Komponisten: Robert Schumann, seines Zeichens von 1850 bis 1853 Musikdirektor der Stadt D\u00fcsseldorf, in die es ihn nach einem l\u00e4ngeren Aufenthalt in Dresden zog. Eine weitere K\u00fcnstlerwanderung zwischen Elbe und Rhein. Kann das denn Zufall sein?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">K\u00fcnstler und Komponist<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1844 hatte Robert Schumann den Wohnsitz seiner Familie nach Dresden verlegt, wo eine sehr produktive Schaffensphase folgte. Schnell kn\u00fcpfte Schumann Kontakte in die \u00f6rtliche K\u00fcnstlerszene und lernte so Eduard Bendemann und Julius H\u00fcbner kennen. Mit ihnen war Schumann bald gut befreundet. H\u00e4ufig trafen sie sich in kleinem Kreis, um \u00fcber Kunst und Musik zu diskutieren. So schrieb er eines Tages \u00fcber Eduard Bendemann in sein Tagebuch: \u201eWir sprachen vieles \u00fcber Malerei und ich h\u00f6rte wie immer mit Ehrerbietung &lt;gern&gt; zu\u201c. Auch mit Ludwig Richter war Schumann wohlbekannt. Beide waren Mitglieder der 1846 in Dresden gegr\u00fcndeten Montagsgesellschaft, wo man sich zum Debattieren traf. <br>Richter schuf zu einigen Kompositionen Schumanns Titelillustrationen, beispielsweise f\u00fcr das \u201eAlbum f\u00fcr die Jugend\u201c, <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.schumann-portal.de\/album-fuer-die-jugend-op-68.html\" target=\"_blank\">Op. 68<\/a>. Auch f\u00fcr Schumanns&nbsp;<em>M\u00e4hrchen-Bilder<\/em>&nbsp;wurde h\u00f6chstwahrscheinlich eine Illustration Richters verwendet, n\u00e4mlich die&nbsp;<em>M\u00e4rchenerz\u00e4hlerin<\/em> \u2013 in unserer Ausstellung zu sehen. <br><br>Schumanns Freunde Ludwig Richter, Eduard Bendemann und Julius H\u00fcbner waren 1843 allesamt an der illustrierten Einzelausgabe der&nbsp;<em>Ammen-Uhr<\/em>&nbsp;mitbeteiligt gewesen. Da liegt die Idee nahe, dass er durch sie einmal mehr auf den Text aufmerksam wurde, sich vielleicht sogar mit ihnen dar\u00fcber austauschte. M\u00f6glicherweise inspirierten ihn die Illustrationen zu seiner Vertonung des Textes? <br>Aber all das ist wilde Spekulation. Fakt ist, im Jahr 1849 komponierte Schumann ein Lied auf der Textgrundlage der&nbsp;<em>Ammen-Uhr<\/em>, das er allerdings nie ver\u00f6ffentlichen sollte.&nbsp;<br><br>\u00dcbrigens: Schumanns sp\u00e4terer Umzug an den Rhein wurde ebenfalls durch den Kontakt zur Dresdner K\u00fcnstlerszene m\u00f6glich. Hier lernte er n\u00e4mlich den Dirigenten und Komponisten Ferdinand Hiller (1811-1885) kennen, der ihm die Stelle des D\u00fcsseldorfer Musikdirektors vermittelte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein wiederentdecktes Musikst\u00fcck<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-background wp-block-paragraph\" style=\"background-color:#e3f9e3\">Von seiner Entstehung bis zu der neusten Tonaufnahme hatte Schumanns Manuskript eine lange Reise hinter sich gebracht. Dem jetzigen Forschungsstand nach war die Komposition der&nbsp;<em>Ammen-Uhr<\/em>&nbsp;Schumanns&nbsp;<em>Liederalbum f\u00fcr die Jugend, op. 79<\/em>&nbsp;zugedacht. Allerdings blieb das Manuskript unver\u00f6ffentlicht und ging nach Schumanns Tod in den Besitz seiner \u00e4ltesten Tochter Marie Schumann \u00fcber, anschlie\u00dfend in die Sammlung Alfred Wiedes, eines gro\u00dfen Schumann-Liebhabers. 1974 wurde es schlie\u00dflich versteigert&nbsp;und gelangte in den Besitz der Universit\u00e4tsbibliothek Bonn. <br><br>Heute befasst sich die <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"http:\/\/www.schumann-gesellschaft.de\/wir\/forschungsstelle\/forschungsstelle.html\" target=\"_blank\">Robert Schumann Forschungsstelle<\/a> mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Manuskripts und wird die Forschungsergebnisse in der&nbsp;<em>Neuen Robert Schumann<\/em>&nbsp;Ge<em>samtausgabe&nbsp;<\/em>ver\u00f6ffentlichen. Die Musikwissenschaftler*innen erforschen nicht nur die Provenienz des St\u00fccks. Sie erfassen und analysieren auch seinen musikalischen Gehalt. Manchmal ist das sehr komplex: Nicht immer ist aus Schumanns handschriftlichen Notenbl\u00e4ttern eindeutig abzulesen ob eine Note auf oder unter der Notenlinie liegt, da w\u00fcnscht man sich wohl er h\u00e4tte ordentlicher geschrieben! Zur richtigen Interpretation der Manuskripte brauchen die Musikolog*innen daher ein gutes Ohr f\u00fcr schumanntypische Harmonien.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><em>Die<\/em><em>&nbsp;Ammen-Uhr&nbsp;<\/em><em>inspiriert bis heute: Eine aktuelle Tonaufnahme<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Robert Schumann-Hochschule D\u00fcsseldorf erm\u00f6glichte eigens f\u00fcr die Ausstellung eine Einspielung der&nbsp;<em>Ammen-Uhr<\/em>, gesungen von <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.nihalazak.de\" target=\"_blank\">Nihal Azak<\/a> und am Klavier begleitet von <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.nihanulutan.com\" target=\"_blank\">Nihan Ulutan<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schumanns Komposition untermalt wunderbar die Strophen des Gedichtes, in dem nach und nach die Nacht vergeht und der Tag heranbricht. Die Melodie geht schnell ins Ohr und wiederholt sich Strophe f\u00fcr Strophe. Erst zum Schluss steigert sie sich in neue H\u00f6hen, um den Aufgang der Sonne und die pl\u00f6tzliche Gesch\u00e4ftigkeit des neu beginnenden Tags zu verdeutlichen.<br> <br>Dieser Moment des Sonnenaufgangs ist der musikalische Lieblingsmoment von Sopranistin Nihal Azak. Sie berichtet, dass gerade bei diesem Lied das Spiel mit der Dynamik sehr wichtig ist,&nbsp;um jeder Strophe einen ganz eigenen Charakter zu verleihen und Eint\u00f6nigkeit zu vermeiden. Pianistin Nihan Ulutan erg\u00e4nzt, dass es eben diese Suche nach unterschiedlichen Klangfarben ist, die Musik so wunderbar macht. Ihr fielen am St\u00fcck verschiedene Kl\u00e4nge auf, die man, besonders wenn man Schumanns Musik kennt, nicht gewohnt ist. Die Studentinnen haben das St\u00fcck mit ihrem Professor Hans Eijsackers intensiv besprochen und analysiert bevor es an die Aufnahme ging. <br><br>Das Ergebnis ist eine musikalische Reise durch die verschiedenen Stadien der Nacht \u2013 bis die flei\u00dfige Amme erwacht.<\/p>\n\n\n\n<iframe loading=\"lazy\" style=\"width: 570px; height: 321px; border: 1px solid #ccc;\" src=\"https:\/\/mediathek.hhu.de\/embed\/3d1297e2-daf0-4268-8a2c-2ee01a86b9e9\" allowfullscreen=\"\" width=\"570\" height=\"321\" frameborder=\"0\"><\/iframe>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben der Audioaufnahme f\u00fcr unsere Online-Ausstellung entstand auch ein aufwendiges 360\u00b0 Video, dass ihr euch hier exklusiv ansehen k\u00f6nnt. Ihr k\u00f6nnt euch ganz frei umsehen und den beiden Musikerinnen and\u00e4chtig lauschen \u2013 fast, als s\u00e4\u00dfet ihr mit ihnen im Konzertsaal! <br><br>Organisiert und durchgef\u00fchrt wurde diese Aufnahme von den Studentinnen Sang-Eun Lee (Audio) und Lydia Ramos (Video). Es galt bei dieser Aufnahme, knifflige technische Situationen zu bew\u00e4ltigen. So mussten etwa f\u00fcr die unterschiedlichen \u201eTakes\u201c&nbsp;exakt dieselben Positionen und Gesten eingehalten werden und unter Zeitdruck in wenigen \u201eTakes\u201c&nbsp;sowohl die Pianistin als auch die Sopranistin aus mehreren Kamerawinkeln aufgenommen werden.&nbsp;Herzlichen Dank f\u00fcr das tolle Engagement an alle Beteiligten, die so viel Zeit und M\u00fche in diese Aufnahmen gesteckt und mir sehr nett von deren Entstehungsprozess berichtet haben!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Titelbild aus: <a href=\"https:\/\/nbn-resolving.de\/urn:nbn:de:hbz:061:2-33910\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Die Ammen-Uhr : aus des Knaben Wunderhorn (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Die Ammen-Uhr : aus des Knaben Wunderhorn<\/a>, 1843 \u00a9Universit\u00e4ts- und Landesbibliothek D\u00fcsseldorf<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background wp-block-paragraph\" style=\"background-color:#ffebee\">Vom 28.6. bis zum 31.12.2021 konntet ihr unsere Ausstellung\u00a0<em>Kunst f\u00fcr Kinder. Illustrationen aus dem Umfeld der Kunstakademien in D\u00fcsseldorf und Dresden<\/em>\u00a0online betrachten \u2013 und h\u00f6ren! Bis Dezember 2021 ver\u00f6ffentlichten wir mit Hilfe der B\u00fcrgeruniversit\u00e4t das digitale Begleitprogramm mit Bildern, Blogeintr\u00e4gen und Podcasts zur Ausstellungsentstehung und einzelnen Themenbereichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kontakt<\/strong>&nbsp;<a>kunstfuerkinder@hhu.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Marie Jansen Der Todestag des Komponisten Robert Schumann (1810-1856) j\u00e4hrt sich dieses Jahr zum 165. Mal. Schumann hinterlie\u00df der Nachwelt ein reiches kompositorisches Werk, das so manchen Klaviersch\u00fcler auch heute noch begeistert und herausfordert \u2013 vielleicht sogar auch euch? Und doch sind manche St\u00fccke kaum bekannt, weil sie zu seinen Lebzeiten unver\u00f6ffentlicht blieben. 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