{"id":1754,"date":"2026-02-24T09:30:08","date_gmt":"2026-02-24T08:30:08","guid":{"rendered":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/?p=1754"},"modified":"2026-03-03T16:23:04","modified_gmt":"2026-03-03T15:23:04","slug":"vertrauen-ist-gut-handeln-waere-besser-warum-wir-die-welt-retten-wollen-aber-nicht-aktiv-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/index.php\/2026\/02\/24\/vertrauen-ist-gut-handeln-waere-besser-warum-wir-die-welt-retten-wollen-aber-nicht-aktiv-werden\/","title":{"rendered":"Vertrauen ist gut, Handeln w\u00e4re besser: Warum wir die Welt retten wollen, aber nicht aktiv werden"},"content":{"rendered":"\n<p><em>von Aylin Yilmaz, Tristan Peters, Christine Weberskirch, Fabien Eilers<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das Vertrauen in die Wissenschaft ist hoch. Wir glauben an den menschengemachten Klimawandel und werden t\u00e4glich mit den fatalen Auswirkungen konfrontiert: Hochwasser, Br\u00e4nde oder auch sinkende Biodiversit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie kann es dann sein, dass wir nicht alle Hebel in Bewegung setzen, um etwas dagegen zu unternehmen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><a><\/a>Vertrauen in die Wissenschaft ist hoch<\/p>\n\n\n\n<p>Entgegen dem allgemeinen Eindruck in der Gesellschaft ist das Vertrauen in die Wissenschaft hoch. Ungef\u00e4hr 65 % der deutschen Bev\u00f6lkerung vertrauen der Wissenschaft vollst\u00e4ndig, 35% zum Teil und nur ein geringer Teil von 5-10 % vertraut der Wissenschaft nicht. Dabei l\u00e4sst sich grunds\u00e4tzlich zwischen dem Vertrauen in die Wissenschaft als Institution und dem Vertrauen in einzelne Wissenschaftler*innen unterscheiden. Ein Grund f\u00fcr die hohen Vertrauenswerte ist die Qualit\u00e4tssicherung in der Wissenschaft, bspw. durch Peer Reviews, unabh\u00e4ngige Finanzierung, Transparenz, Reproduktion und Qualifikation.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"669\" height=\"316\" src=\"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Bild2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1755\" srcset=\"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Bild2.png 669w, https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Bild2-300x142.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 669px) 100vw, 669px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"https:\/\/wissenschaft-im-dialog.de\/projekte\/wissenschaftsbarometer\/#erhebung-2024\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Wissenschaftsbarometer 2024<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Diskrepanz zwischen Einstellung und Verhalten<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch f\u00e4llt auf, dass in einigen F\u00e4llen Personen entgegen ihrem angegebenen Vertrauen handeln. Obwohl die \u00fcberwiegende Mehrheit in Studien angibt, dass sie den Wissenschaften und Wissenschaftler*innen vertrauen, handeln sie h\u00e4ufig nicht nach den Ergebnissen der Forschungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die oben angef\u00fchrten Zahlen best\u00e4tigen sich auch mit Blick auf die Klimakrise. Ungef\u00e4hr zwei Drittel der deutschen Bev\u00f6lkerung glaubt an den menschengemachten Klimawandel, der Konsens in der Wissenschaft \u00fcber die Klimakrise und ihre fatalen Auswirkungen besteht fast vollst\u00e4ndig. Die Verschmutzung und Zerst\u00f6rung der Erde f\u00fchren schon heute zu Naturkatastrophen und erschwerten Lebensbedingungen auf der ganzen Welt. Und dennoch sehen wir in unserem Alltag wenige Ver\u00e4nderungen im Handeln unserer meisten Mitmenschen und der Politik.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Diskrepanz zwischen der Einstellung und dem eigenen Verhalten sehen wir t\u00e4glich: Viele fahren mit dem Auto zur Arbeit, fliegen weiterhin per Flugzeug in den Urlaub oder konsumieren weiterhin tierische Produkte aus Massentierhaltung, obwohl es in den meisten F\u00e4llen klimafreundlichere und nachhaltigere Optionen gibt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"248\" height=\"247\" src=\"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Bild1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1756\" style=\"width:460px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Bild1.jpg 248w, https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Bild1-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 248px) 100vw, 248px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Von RichardDrawing \u00fcber Pixabay<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Welche Gr\u00fcnde gibt es f\u00fcr diese Diskrepanz?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ursachen sind vielf\u00e4ltig. Zum einen gibt es Schwierigkeiten beim Messen von Vertrauen in die Wissenschaft, sodass die Vertrauenswerte h\u00f6her ausfallen k\u00f6nnten, als sie tats\u00e4chlich sind. Zum anderen gibt es kognitive und praktische H\u00fcrden im Alltag, die Appelle der Wissenschaft in Handlungen umzuwandeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Messen von Vertrauen wird z.B. selten zwischen interpersonellen oder institutionellen Vertrauen unterschieden, also ob jemand den Wissenschaftler*innen oder den Institutionen vertraut. Au\u00dferdem werden situative Ver\u00e4nderungen, emotionale Komponenten und verschiedene Dimensionen von Vertrauen nicht ber\u00fccksichtigt. Jemand kann aufgrund pers\u00f6nlicher Erfahrungen bspw. bestimmten Wissenschaftler*innen der Medizin misstrauen und gleichzeitig in anderen Bereichen der Wissenschaft vollstes Vertrauen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist au\u00dferdem gut m\u00f6glich, dass jemand zwar davon \u00fcberzeugt ist, dass einzelne Wissenschaftler*innen fachlich kompetent sind, zugleich aber daran zweifelt, ob sie im Interesse der Gesellschaft handeln. Um wirklich nach Empfehlungen eines Forschenden zu handeln, ist aber genau das wichtig: Vertrauen zu haben, dass Wissenschaftler*innen nicht nur das Wissen, sondern auch gute Absichten einem gegen\u00fcber haben. Eine offene Kommunikation von Seiten der Wissenschaft ist dabei zentral: Welche Risiken und Vorteile sind mit Handeln oder Nicht-Handeln verbunden? Welche Sorgen und Einw\u00e4nde gibt es in der Gesellschaft \u2013 und wie lassen sich diese ernsthaft aufgreifen?<\/p>\n\n\n\n<p>Neben Vertrauen gibt es im Alltag weitere H\u00fcrden f\u00fcr klimafreundliches Handeln. Kosten und Bequemlichkeit beeinflussen Konsumentscheidungen stark: Wenn nachhaltige Alternativen teurer sind oder mehr Recherche erfordern, greifen die meisten Menschen zu gewohnten Produkten und Dienstleistungen. Zu viele oder zu wenige Informationen, versteckte negative Umweltauswirkungen oder bewusste T\u00e4uschung wie Greenwashing k\u00f6nnen frustrieren und Dilemmata erzeugen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kommt ein kognitiver Faktor: Unserem Gehirn f\u00e4llt es schwer, abstrakte Gefahren in der Zukunft richtig einzusch\u00e4tzen. Die heutigen Kosten durch das \u00c4ndern von Gewohnheiten wirken unmittelbarer und greifbarer als der Nutzen, den wir sp\u00e4ter daraus ziehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><a><\/a>Wie l\u00f6st man diese Diskrepanz?<\/p>\n\n\n\n<p>Um vom Vertrauen ins Handeln zu kommen, ist es in der Wissenschaftskommunikation wichtig, dass nicht nur das Vertrauen in die Fachkompetenz aufgebaut wird, sondern auch in Wohlwollen, Ehrlichkeit und Offenheit. Bei angebotenen G\u00fctern ist eine transparente, leicht zu verstehende Information zur Nachhaltigkeit und die Folgen f\u00fcr den Klimawandel hilfreich. Um dann tats\u00e4chlich Gewohnheiten zu \u00e4ndern, hilft vor allem auch das Verhalten der Masse. Wenn man etwas mit mehreren zusammen macht oder generell das Gef\u00fchl hat, dass das immer mehr Menschen machen, f\u00e4llt es deutlich leichter, auch selbst sein Verhalten zu \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Weiterlesen:<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/planetair.ca\/en\/dragons-of-inaction-understanding-psychological-barriers-to-climate-action\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Sieben psychologische Barrieren \u2013 wie die \u201cDrachen der Unt\u00e4tigkeit\u201d Menschen daran hindern Wissen in Klimama\u00dfnahmen umzusetzen<\/a> (en)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/climatemind.de\/praxisanleitungen\/canvas-klimapsychologie\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Informationstool: Handlungsbarrieren erkennen und reflektieren<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/eifel-journal.de\/klimabewusstsein-konsumverhalten-deutschland\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Klimabewusstsein in Deutschland \u2013 wo Menschen ihr Verhalten bereits \u00e4ndern und wo der Alltag noch bremst<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aylin Yilmaz, Tristan Peters, Christine Weberskirch und Fabien Eilers<\/strong> studieren an der Heinrich-Heine Universit\u00e4t PPE (Philosophy, Politics and Economics) im Bachelor. Dieser Blogbeitrag ist im Rahmen des Seminars \u201eVertrauen in die Wissenschaft &#8211; verstehen, kommunizieren, st\u00e4rken (Fokus Klimawissenschaften)\u201d entstanden.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Aylin Yilmaz, Tristan Peters, Christine Weberskirch, Fabien Eilers Das Vertrauen in die Wissenschaft ist hoch. Wir glauben an den menschengemachten Klimawandel und werden t\u00e4glich mit den fatalen Auswirkungen konfrontiert: Hochwasser, Br\u00e4nde oder auch sinkende Biodiversit\u00e4t. Wie kann es dann sein, dass wir nicht alle Hebel in Bewegung setzen, um etwas dagegen zu unternehmen? 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