{"id":1767,"date":"2026-03-03T16:22:51","date_gmt":"2026-03-03T15:22:51","guid":{"rendered":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/?p=1767"},"modified":"2026-03-03T16:31:59","modified_gmt":"2026-03-03T15:31:59","slug":"links-vs-rechts-was-politische-identitaet-fuer-die-kommunikation-von-klimawissenschaft-bedeutet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/index.php\/2026\/03\/03\/links-vs-rechts-was-politische-identitaet-fuer-die-kommunikation-von-klimawissenschaft-bedeutet\/","title":{"rendered":"Links vs. Rechts: Was politische Identit\u00e4t f\u00fcr die Kommunikation von Klimawissenschaft bedeutet"},"content":{"rendered":"\n<p><em>von Bleona Kadriu, Sophie Frei, Mia Weichelt, Marie Freese, Ricarda Seidensticker und Rico Charly Braun<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das Vertrauen in die Wissenschaft ist weltweit deutlich h\u00f6her, als \u00f6ffentliche Debatten oft vermuten lassen. Dennoch ist immer von einer \u201eVertrauenskrise\u201c die Rede, insbesondere im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Kaum ein anderes Thema macht die politische Spaltung zwischen links und rechts so sichtbar. Diese Polarisierung f\u00fchrt weniger zu einem tats\u00e4chlichen Misstrauen gegen\u00fcber wissenschaftlichen Erkenntnissen als vielmehr zu der Wahrnehmung einer Krise. Dabei ist klar: Unser Alltag ist ohne Wissenschaft kaum vorstellbar.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1707\" height=\"2560\" src=\"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/pexels-lara-jameson-8899031-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1769\" style=\"width:351px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/pexels-lara-jameson-8899031-scaled.jpg 1707w, https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/pexels-lara-jameson-8899031-200x300.jpg 200w, https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/pexels-lara-jameson-8899031-683x1024.jpg 683w, https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/pexels-lara-jameson-8899031-768x1152.jpg 768w, https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/pexels-lara-jameson-8899031-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/pexels-lara-jameson-8899031-1365x2048.jpg 1365w\" sizes=\"auto, (max-width: 1707px) 100vw, 1707px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u00a9 pexels \/ Lara Jameson<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Vertrauen beruht auf vier Komponenten: Kompetenz, Integrit\u00e4t, Wohlwollen und Offenheit. Forschende, die in diesen Punkten als glaubw\u00fcrdig wahrgenommen werden, st\u00e4rken das Vertrauen in die Klimawissenschaft. Daher handeln Menschen mit hohem Vertrauen eher klimaorientiert, w\u00e4hrend fehlendes Vertrauen in die Wissenschaft viel mehr das Gegenteil bewirkt. Doch Vertrauen basiert nicht alleine auf Fakten \u2013 es wird durch Wahrnehmung und Identit\u00e4t gepr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Ph\u00e4nomen zeigt sich auch au\u00dferhalb der Wissenschaft. 89. Minute: Es steht 1:1 zwischen Bayern M\u00fcnchen und Borussia Dortmund. Bayern erzielt in letzter Sekunde das 2:1, doch der Schiedsrichter entscheidet auf Abseits. Die Dortmunder Fans jubeln, die Bayern-Fans protestieren. Obwohl alle dieselbe Szene sehen und sie per Video \u00fcberpr\u00fcft wird, bewerten beide Lager die Entscheidung v\u00f6llig unterschiedlich \u2013 weil sie die Fakten durch die Brille ihrer eigenen Zugeh\u00f6rigkeit interpretieren. Dieses Beispiel macht deutlich, dass Vertrauen ma\u00dfgeblich von der individuellen Wahrnehmung beeinflusst wird, im allt\u00e4glichen sowie im klimawissenschaftlichen Kontext.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Links vs. Rechts: Politische Orientierung als Einflussfaktor<\/p>\n\n\n\n<p>Vertrauen in Wissenschaft ist zentral f\u00fcr evidenzbasierte Politik. Doch aktuelle Befunde zeigen eine wachsende politische Polarisierung dieses Vertrauens, vor allem in Bezug auf die Klimaforschung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Assoziation zwischen politischer Orientierung und Vertrauen in die Wissenschaft ist vor allem in den USA empirisch belegt. Studien zeigen einen negativen Zusammenhang zwischen einer konservativ politischen Orientierung und dem durchschnittlichen Vertrauen in die Klima- und Umweltforschung. Eine international<a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41562-024-02090-5\"><\/a> angelegte <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41562-024-02090-5\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Untersuchung<\/a> mit Daten aus 68 L\u00e4ndern<a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41562-024-02090-5\"><\/a> best\u00e4tigt, dass die politische Orientierung weltweit Einfluss auf die Akzeptanz klimawissenschaftlicher Erkenntnisse hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Misstrauen, Desinformation und die \u201elaute Minderheit\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Skepsis gegen\u00fcber der Klimawissenschaft wirkt sich messbar auf den \u00f6ffentlichen Diskurs aus. Vielleicht habt ihr das selbst in sozialen Medien schon beobachtet: Besonders laut treten dort jene auf, die der Wissenschaft misstrauen \u2013 eine \u201elaute Minderheit\u201c die deutlich mehr Aufmerksamkeit erh\u00e4lt, als es ihrem tats\u00e4chlichen Anteil entspricht. So erkl\u00e4rt sich auch, warum h\u00e4ufig von einer Vertrauenskrise gesprochen wird, obwohl Umfragen insgesamt ein moderat bis hohes Vertrauen in die Wissenschaft zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das durch laute Minderheiten erzeugte Klima des Misstrauens st\u00fctzt sich dabei auf gezielte Narrative gegen die Glaubw\u00fcrdigkeit der Forschenden. Diese Gruppen nutzen reale strukturelle Probleme, um Zweifel an der Integrit\u00e4t und Objektivit\u00e4t der Wissenschaft zu s\u00e4en. Den Forschenden wird dabei unterstellt, Ergebnisse systematisch zu \u00fcbertreiben oder befangen zu sein, um eine bestimmte Agenda voranzutreiben. Solche Argumente werden von den lauten Minderheiten gezielt als wissenschaftspopulistische Diskurse verbreitet, um das allgemeine Vertrauen in die Forschung weiter zu schw\u00e4chen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Transparente Kommunikation schafft Vertrauen<\/p>\n\n\n\n<p>In Anbetracht der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse sowie der gesellschaftlichen Dynamiken stellt sich die Frage, welche Konsequenzen sich daraus f\u00fcr die Kommunikation der Klimawissenschaft ergeben und wie diese k\u00fcnftig gestaltet werden sollte. Wenn politische Identit\u00e4t beeinflusst, ob Menschen der Klimawissenschaft vertrauen, muss sich auch die Kommunikation daran anpassen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Eine zentrale Aufgabe ist es, wissenschaftliche Prozesse <em>transparenter zu machen<\/em>. Viele Gr\u00fcnde f\u00fcr Misstrauen sind nur aufzul\u00f6sen, wenn Forschende klar erkl\u00e4ren, warum Unsicherheiten ein normaler Teil wissenschaftlicher Erkenntnis sind. Offenheit st\u00e4rkt die vier Vertrauensdimensionen: Kompetenz, Integrit\u00e4t, Wohlwollen und Transparenz. Eine verst\u00e4ndliche, alltagsnahe und dialogorientierte Kommunikation \u2013 insbesondere in digitalen Medien \u2013 kann dazu beitragen, Abwehrreaktionen zu reduzieren und Vertrauen zu st\u00e4rken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bleona Kadriu, Sophie Frei, Mia Weichelt, Marie Freese, Ricarda Seidensticker und Rico Charly Braun<\/strong> sind Studierende der Heinrich-Heine-Universit\u00e4t. Dieser Blogbeitrag ist im Rahmen des Seminars \u201eVertrauen in die Wissenschaft &#8211; verstehen, kommunizieren, st\u00e4rken (Fokus Klimawissenschaften)\u201d entstanden.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Bleona Kadriu, Sophie Frei, Mia Weichelt, Marie Freese, Ricarda Seidensticker und Rico Charly Braun Das Vertrauen in die Wissenschaft ist weltweit deutlich h\u00f6her, als \u00f6ffentliche Debatten oft vermuten lassen. 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