{"id":1917,"date":"2026-04-20T11:21:51","date_gmt":"2026-04-20T09:21:51","guid":{"rendered":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/?p=1917"},"modified":"2026-04-27T10:28:43","modified_gmt":"2026-04-27T08:28:43","slug":"resilienz-gegenueber-desinformationen-staerkung-der-urteilsfaehigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/index.php\/2026\/04\/20\/resilienz-gegenueber-desinformationen-staerkung-der-urteilsfaehigkeit\/","title":{"rendered":"Resilienz gegen\u00fcber Desinformationen \u2013 St\u00e4rkung der Urteilsf\u00e4higkeit\u00a0"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Gibt es eine Impfung gegen Fake-News? \u2013 Warum Faktenchecks nicht ausreichen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>von Lukas Atencio Psille, Evelyn L\u00f6wenstein, Emma Schulte-Altedorneburg, Pauline Meies, Lisa K\u00fcrten, Martin Ludwig und Tobias Hilland<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In der Debatte um den Klimaschutz geht es l\u00e4ngst nicht mehr nur um Daten und Fakten. W\u00e4hrend der wissenschaftliche Konsens \u00fcber den menschengemachten Klimawandel bei fast 100 % liegt, suggerieren Desinformationen, vor allem in sozialen Medien, oft ein Bild der Uneinigkeit. Ein zentrales Instrument, um die gesellschaftliche Resilienz gegen\u00fcber Desinformationen zu st\u00e4rken, stellt <em>Debunking<\/em> dar. Allgemein bekannter ist Debunking in Form eines Faktenchecks. Hier wird im Nachhinein gepr\u00fcft, ob verbreitete Informationen der Wahrheit entsprechen oder nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wie zielf\u00fchrend ist es, wenn wir Fake News nur im Nachhinein korrigieren? Bleiben nicht auch trotz Korrektur Teile der urspr\u00fcnglichen \u201eFakten\u201c im Kopf?<\/p>\n\n\n\n<p>Einerseits schw\u00e4cht allein schon die Pr\u00e4senz der Desinformationen die Fakten (Neutralisierung), und andererseits zeigt der sogenannte <a href=\"https:\/\/cognition.vsxlabs.com\/bias\/continued-influence-effect\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Continued Inluence Effect<\/a> tats\u00e4chlich, dass einmal im Ged\u00e4chtnis verankerte Falschinformationen, unser Denken oft auch dann noch beeinflussen, wenn sie bereits offiziell (z.B. durch Faktenchecks) widerlegt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Hilfreicher w\u00e4re es also, wenn Falschinformationen \u00fcberhaupt gar nicht erst verbreiten w\u00fcrden. Gibt es Wege, Fake News fr\u00fchzeitig zu erkennen und zu bek\u00e4mpfen?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"945\" height=\"452\" src=\"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/grafik-5.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1918\" srcset=\"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/grafik-5.png 945w, https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/grafik-5-300x143.png 300w, https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/grafik-5-768x367.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 945px) 100vw, 945px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u00a9 kebox&nbsp;stock.adobe 1<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Pr\u00e4ventiv statt reaktiv \u2013 Die Inokulationstheorie<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gegenkonzept zum Debunking ist das sogenannte <em>Prebunking<\/em>. Der Begriff Prebunking beschreibt eine pr\u00e4ventive Strategie, bei der wir fr\u00fchzeitig \u00fcber typische Manipulations- und T\u00e4uschungstechniken aufgekl\u00e4rt werden. Ziel dabei ist es, unsere individuelle Resilienz zu st\u00e4rken, sodass wir irref\u00fchrende Inhalte schneller erkennen und hinterfragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Konkret besteht Prebunking aus zwei zentralen Bestandteilen: einer fr\u00fchen Warnung vor m\u00f6glichen T\u00e4uschungsversuchen (threat) und einer pr\u00e4ventiven Widerlegung (refutational preemption), bei der wir lernen, wie solche Manipulationen funktionieren. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Idee dahinter geht auf die <a href=\"https:\/\/inoculation.science\/inoculation-theory-explained\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><em>Inokulationstheorie<\/em><\/a> des Sozialpsychologen William J. McGuire zur\u00fcck. Inspiriert von der medizinischen Impfung nutzt sie eine biologische Metapher: So wie ein Impfstoff eine abgeschw\u00e4chte Dosis eines Virus enth\u00e4lt, konfrontiert Prebunking uns mit abgeschw\u00e4chten Formen von Desinformation. Wir lernen so, typische Argumentationsmuster und Strategien (zum Beispiel <em>Rosinenpicken<\/em>) zu erkennen und aktiv abzuwehren. Wie aber soll das funktionieren? Schlie\u00dflich kann man nicht gegen jede L\u00fcge im speziellen geimpft werden. Die Idee dahinter sieht letzteres auch gar nicht vor. Bestimmten L\u00fcgen kann man zwar hinterherlaufen, um sie zu korrigieren, aber sie bereits vor ihrer Entstehung zu entlarven, ist schier unm\u00f6glich. M\u00f6glich ist aber, Menschen \u00fcber die Strategien hinter Fake News aufzukl\u00e4ren und ihre Sicht daf\u00fcr zu sch\u00e4rfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Pr\u00e4vention durch Spiele? \u2013 Aktive Impfung gegen Desinformationen<\/p>\n\n\n\n<p>Werden Falschinformationen verbreitet, so wiederholen sich oft die Strategien, mittels derer sie verbreitet werden. Das sogenannte <a href=\"https:\/\/youtu.be\/0wKPYb9IYtI\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">PLURV-Modell<\/a> fasst die h\u00e4ufigsten davon zusammen. Durch Pseudo-Experten, logische Trugschl\u00fcsse, unerf\u00fcllbare Erwartungen, Rosinenpicken und Verschw\u00f6rungsmythen manipulieren Verbreiter von Desinformationskampagnen immer wieder. Wenn man diese Taktiken jedoch kennt, kann man sie bei zuk\u00fcnftigen Konfrontationen besser durchschauen und f\u00e4llt nicht mehr so leicht darauf herein.<\/p>\n\n\n\n<p>Um m\u00f6glichst fr\u00fch im Leben zu lernen, wie Fake News verbreitet werden, k\u00f6nnen Kinder im <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=JyxnSab6dak\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Schulunterricht<\/a> durch Vereine, die diesbez\u00fcglich Kurse anbieten, dar\u00fcber aufgekl\u00e4rt werden. Fake News lassen sich beispielsweise in Texten vermuten, welche viele Ausrufe- oder Fragezeichen oder auch Wiederholungen enthalten. Und so paradox es auch klingen mag, am besten lernen die Kinder diese Strategien zu verstehen, indem sie sie selbst anwenden, also selbst auf spielerische Weise mit ihrem neu gewonnenen Wissen eigene Fake News auf dem Papier erstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings gibt es auch negative Beispiele, wie Kinder auf andere Weise \u201eaufgekl\u00e4rt\u201c werden. So stellen manche \u00d6lfirmen in Amerika <a href=\"https:\/\/youtu.be\/_pNRuafoyZ4\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kinderb\u00fccher<\/a> her, um Kinder von den Vorteilen der Energiegewinnung durch \u00d6l zu \u00fcberzeugen. Eine Idee, diese Manipulationstaktik ins Positive zu wandeln, k\u00f6nnte es sein, in \u00e4hnlichem Stil B\u00fccher f\u00fcr Kinder zu schreiben, in welchen diese auf unterhaltsame Weise von solchen Manipulationstaktiken erfahren und sie so fr\u00fcher erkennen lernen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mittlerweile sind sogar <a href=\"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/index.php\/2026\/04\/27\/zwei-spiele-mit-denen-ihr-euch-gegen-desinformationen-schuetzen-koennt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">einige Spiele<\/a> entwickelt worden, mittels derer eine Aufkl\u00e4rung \u00fcber Strategien hinter verbreiteten Fake News auf spielerische Art vonstattengehen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein interessanter Ansatz ist auch folgender. <a href=\"https:\/\/youtu.be\/mG0tmTkT9aA?si=QBHj96aG8yufZDgH\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kurze, aufkl\u00e4rerische Videos<\/a> werden als Werbung vor YouTube-Videos oder im Fernsehen eingesetzt. So k\u00f6nnen Menschen auf problematische Maschen wie Panikmache aufmerksam gemacht werden. Dadurch kann ein Bewusstsein daf\u00fcr gest\u00e4rkt werden, wie diese Strategien funktionieren, sodass sie im Alltag wacher darauf reagieren. Ein weiterer Ansatz, bei dem alle mitwirken k\u00f6nnten, ist es unter Beitr\u00e4gen mit Falschinformationen auff\u00e4llige und wiederkehrende Slogans zu kommentieren, die auf m\u00f6gliche Unwahrheiten hinweisen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lukas Atencio Psille, Evelyn L\u00f6wenstein, Emma Schulte-Altedorneburg, Pauline Meies, Lisa K\u00fcrten, Martin Ludwig und Tobias Hilland<\/strong> sind Studierende der HHU. Dieser Blogbeitrag entstand im Rahmen des Aufbauseminars \u201eVertrauen in die Wissenschaft &#8211; verstehen, kommunizieren, st\u00e4rken (Fokus Klimawissenschaften)\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gibt es eine Impfung gegen Fake-News? \u2013 Warum Faktenchecks nicht ausreichen von Lukas Atencio Psille, Evelyn L\u00f6wenstein, Emma Schulte-Altedorneburg, Pauline Meies, Lisa K\u00fcrten, Martin Ludwig und Tobias Hilland In der Debatte um den Klimaschutz geht es l\u00e4ngst nicht mehr nur um Daten und Fakten. 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