{"id":208,"date":"2021-11-26T13:22:00","date_gmt":"2021-11-26T13:22:00","guid":{"rendered":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/?p=208"},"modified":"2023-02-08T13:23:36","modified_gmt":"2023-02-08T13:23:36","slug":"wie-orientieren-wir-uns-in-der-welt-die-kultur-der-digitalitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/index.php\/2021\/11\/26\/wie-orientieren-wir-uns-in-der-welt-die-kultur-der-digitalitaet\/","title":{"rendered":"Wie orientieren wir uns in der Welt? &#8211; Die Kultur der Digitalit\u00e4t"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>von Lina Jan\u00dfen, Jonas Wiemann, Lena Marie Aschkowski, Lotta Vieweg und Laura Gnida  <\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.pixabay.com\/photo\/2016\/03\/12\/19\/34\/city-1252643_1280.png\" alt=\"https:\/\/cdn.pixabay.com\/photo\/2016\/03\/12\/19\/34\/city-1252643_1280.png\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Morgens klingelt der Handywecker, beim Fr\u00fchst\u00fcck liest man online die neusten Nachrichten und startet dann in der Bahn den Lieblings-Podcast. Als n\u00e4chstes: Videokonferenz auf der Arbeit und abends Essen mit Freunden, welches nat\u00fcrlich auf Instagram gepostet wird.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Digitalit\u00e4t als Kulturelle Bedingung&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt ein Ph\u00e4nomen, das uns den ganzen Tag \u00fcber begleitet: Digitalit\u00e4t. Digitalit\u00e4t schafft die Rahmenbedingung f\u00fcr die Kommunikation und Interaktion mit anderen Menschen und f\u00fcr die Gestaltung der Gesellschaft. Die Anwesenheit von Digitalit\u00e4t in all unseren Lebensbereichen ver\u00e4ndert damit auch unsere Weltwahrnehmung. Digitalit\u00e4t ist heute nicht mehr nur der einfache Gebrauch des eigenen Laptops oder Smartphones, sondern vielmehr eine kulturelle Bedingung, die die neue Ordnung der Welt angibt. Doch was genau bedeutet eine \u201akulturelle Bedingung\u2018? Dieser Frage werden wir hier auf den Grund gehen und Digitalit\u00e4t  aus der Perspektive von Felix Stalder von der Hochschule der K\u00fcnste in Z\u00fcrich skizzieren. Kultur bezeichnet in diesem Zusammenhang die Prozesse der Verhandlung von sozialer Bedeutung. Wie einigt sich eine Gruppe auf einen gewissen Konsens bei Werte- und Deutungsfragen? Und was f\u00fcr eine neue Wertsetzung ist in unserer digitalen Welt notwendig?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zusammenhang von Digitalisierung und Digitalit\u00e4t&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entwicklung der Digitalit\u00e4t l\u00e4sst sich wie folgt beschreiben: Die zunehmende Digitalisierung erm\u00f6glichte immer mehr Menschen politische und gesellschaftliche Partizipation. Die daf\u00fcr notwendigen Arbeitsprozesse erforderten keine r\u00e4umliche Anwesenheit mehr. Durch die gr\u00f6\u00dfere Reichweite der Medien und ihrem breiten Themenspektrum, wurden Themen enttabuisiert und Meinungsstreits f\u00fcr jedermann sichtbar. Durch die Globalisierung und die neue Multikulturalit\u00e4t kamen Fragen zum neuen Wertesystem des Zusammenlebens auf. Die Orientierung in der Welt hat sich ver\u00e4ndert und es entwickeln sich weitere Fragen nach der Art des Zusammenlebens, insbesondere dadurch, dass immer mehr Themen und Standpunkte in die Diskussion miteinbezogen werden. Die Verhandlungen \u00fcber unsere Lebensweise wurden zunehmend in technologische Ger\u00e4te eingebettet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das Internet als Basis f\u00fcr Meinungsbildung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Internet spielt dabei eine gro\u00dfe Rolle und stellt die Basis der neuen Meinungsbildung dar. Etablierte Meinungsinstitute k\u00f6nnen die Menge an produzierten Daten, also die Vielzahl an Themenfeldern, Fragen und Meinungen der Menschen weltweit nicht mehr umfassend in ihr Programm aufnehmen. Zeitungen beispielsweise verf\u00fcgen nur \u00fcber einen begrenzten Platz, weshalb Themen selektiert werden m\u00fcssen. Ganz im Gegensatz zum Internet. Durch den unendlichen Platz f\u00fcr Inhalte k\u00f6nnen alle Themen und Meinungen repr\u00e4sentiert werden. Nur wie gehen wir damit um? Beeinflussen wir selbst was wir bei einer Ergebnissuche finden?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wir alle schaffen Kultur im digitalen Raum&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es l\u00e4sst sich festhalten: Kultur wird heute von mehr Menschen, auf mehr Feldern, mit mehr Technologien gemacht als je zuvor. Kultur ist offensichtlich massentauglicher geworden, wodurch sich so viel digitales Material ergibt, dass es nicht mehr zu \u00fcberblicken ist. Menschen k\u00f6nnen heutzutage nicht mehr nur empfangen, wie etwa vor 50 Jahren, als nur Radio, Fernsehen und die Zeitung als Massenmedien zur Verf\u00fcgung standen, sondern auch senden. Zum Beispiel indem sie einen Blog schreiben, einen Beitrag in den sozialen Medien posten oder ein YouTube Video hochladen. An YouTube l\u00e4sst sich die Menge des vorhandenen digitalen Materials veranschaulichen: Bereits im Jahr 2015 Jahren wurden pro Minute 400 Stunden (!) an Videomaterial auf der Videoplattform hochgeladen. Mit der Menge, die sich dadurch pro Tag ergibt, k\u00f6nnte man bereits l\u00e4nger als ein Jahr lang den ganzen Tag nichts anderes machen als YouTube Videos schauen. Und seit 2015 sind noch viele weitere Videos hinzugekommen. Aus dieser F\u00fclle an Informationen m\u00fcssen wir ausw\u00e4hlen und zwischen Wichtigem und Unwichtigem unterscheiden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ausw\u00e4hlen und Bewerten als zentrale Kompetenzen&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\nEs geht also um Selektion. Diese Selektion nehmen wir beispielsweise in den sozialen Medien vor. Wir bahnen uns unseren eigenen Weg durch die Un\u00fcbersichtlichkeit und schaffen unsere eigene soziale \u201aBubble\u2018 mit den Themen, Dingen und Werten, die uns ansprechen. Wir produzieren mit unserer Auswahl einen eigenen sozialen Horizont. Professor Stalder spricht dabei auch vom Ausw\u00e4hlen als dem neuen Produzieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn wir also beispielsweise wissen wollen, wie wir eine Bank f\u00fcr unseren Balkon selbst bauen k\u00f6nnen, m\u00fcssen wir dies nicht m\u00fchsam selbst erarbeiten und aust\u00fcfteln. Wir m\u00fcssen lediglich eine Auswahl aus den \u00fcber 6 Millionen Suchergebnissen treffen, die uns vorgeschlagen werden, wenn wir \u201eBank f\u00fcr Balkon selbst bauen\u201c ins Google-Suchfeld tippen. In diesem Fall orientieren wir uns also, indem wir Ausw\u00e4hlen und unseren eigenen sozialen Horizont schaffen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gemeinschaftlichkeit, Referenzialit\u00e4t und Algorithmizit\u00e4t<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Insgesamt lassen sich nach Stalder drei Muster der Orientierung erkennen: <em>Gemeinschaftlichkeit<\/em>, <em>Referenzialit\u00e4t <\/em>und <em>Algorithmizit\u00e4t<\/em>. Auf den ersten Blick handelt es sich um drei sehr abstrakte Begriffe, mit denen man vielleicht zun\u00e4chst nichts anfangen kann. Ein Ann\u00e4herungsversuch an diese drei Ph\u00e4nomene k\u00f6nnte folgenderma\u00dfen lauten: In einer durch <em>Algorithmen <\/em>vorsortierten Welt nehmen wir <em>gemeinschaftlich <\/em>immer und st\u00e4ndig <em>Bezug aufeinander<\/em> und auf unsere Welt. Am Beispiel dieses Beitrags k\u00f6nnte das sein: Ich schreibe mit anderen Studierenden gemeinschaftlich einen Blogbeitrag, welcher sich auf einen Vortrag von Professor Stalder bezieht. Dieser wird dann in den Sozialen Medien geteilt und der Algorithmus bestimmt nach dem Posten, wer und wie viele diesen Beitrag sehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In welchem Verh\u00e4ltnis diese drei Konzepte stehen und ob sie alle nebeneinander gleichberechtigt existieren oder ob der Algorithmus die Gemeinschaftlichkeit und die Referenzialit\u00e4t mittlerweile \u00fcberlagert, liefert sicherlich neues Forschungspotenzial. Es bleibt also spannend. Wie sch\u00e4tzt Du dieses Verh\u00e4ltnis ein? Haben Algorithmen eventuell zu viel Einfluss auf unsere digitale Welt oder sind sie einfach nur praktische Helferlein bei einer un\u00fcbersichtlichen Menge an Informationen? Und wie betrifft Dich die Digitalit\u00e4t als kulturelle Bedingung? W\u00e4re ein Leben ohne unsere digitalen Tools noch vorstellbar und m\u00f6glich? Lass uns Deine Meinung gerne als Kommentar hier und teile diesen Blogbeitrag \u00fcber Social Media, wenn er Dir gef\u00e4llt! Direkt mal das neue Wissen anwenden. Stichwort: Gemeinschaftlichkeit, Referentialit\u00e4t und Algorithmizit\u00e4t! \ud83d\ude09&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"> Quelle: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Prof. Dr. Felix Stalder: \u00abKultur der Digitalit\u00e4t\u00bb. Available: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=fwk3xVAiG9\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=fwk3xVAiG9<\/a> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Lina Jan\u00dfen, Jonas Wiemann, Lena Marie Aschkowski, Lotta Vieweg und Laura Gnida Morgens klingelt der Handywecker, beim Fr\u00fchst\u00fcck liest man online die neusten Nachrichten und startet dann in der Bahn den Lieblings-Podcast. Als n\u00e4chstes: Videokonferenz auf der Arbeit und abends Essen mit Freunden, welches nat\u00fcrlich auf Instagram gepostet wird.\u00a0 Digitalit\u00e4t als Kulturelle Bedingung&nbsp; Es [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":209,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[67],"tags":[68,70,69],"class_list":["post-208","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-digitale-bildung","tag-digitale-bildung","tag-digitale-kompetenzen","tag-digitale-souveraenitaet"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/208","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=208"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/208\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":210,"href":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/208\/revisions\/210"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/209"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=208"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=208"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=208"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}