{"id":217,"date":"2021-12-02T13:30:00","date_gmt":"2021-12-02T13:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/?p=217"},"modified":"2023-02-08T13:32:31","modified_gmt":"2023-02-08T13:32:31","slug":"no-more-empty-promises-wie-die-politik-seit-vielen-jahrzehnten-die-wissenschaft-kaum-ernst-nimmt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/index.php\/2021\/12\/02\/no-more-empty-promises-wie-die-politik-seit-vielen-jahrzehnten-die-wissenschaft-kaum-ernst-nimmt\/","title":{"rendered":"No more empty promises! Wie die Politik seit vielen Jahrzehnten die Wissenschaft kaum ernst nimmt"},"content":{"rendered":"\n<p> <em>von Natascha G\u00f6bel, Viola Langhans und Isabell Pla\u00df <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"271\" height=\"182\" src=\"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/pasted-image-00-e1675863115639.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-218\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>24.09.2021 auf der ganzen Welt: Im Rahmen des globalen Klimastreiks gehen Millionen Menschen auf die Stra\u00dfe und fordern von der globalen Politik mehr Klimaschutz und eine Perspektive f\u00fcr j\u00fcngere Generationen. Durch die Proteste von Fridays for Future gelang es der Thematik rund um den bevorstehenden Klimakollaps, Einzug in den \u00f6ffentlichen Diskurs zu erhalten. Die Wissenschaft aber besch\u00e4ftigt sich schon seit sehr langer Zeit mit dem Klimawandel und seinen Folgen f\u00fcr die Menschheit. Prof. Dr. Michael Schmitt ist Lehrender an der Heinrich- Heine-Universit\u00e4t und versucht im Rahmen seiner verschiedenen Ringvorlesungen, die naturwissenschaftliche Komponente des Klimawandels Interessierten nahe zu bringen. In einem Gastvortrag in unserem Seminar am 17. November 2021 ging er unter anderem auf die naturwissenschaftliche Betrachtung der Klimakrise, ihre Geschichte, ihre Verbindung zur Politik und die Leugnungs-Frage in Hinblick auf die Wissenschaft ein. Dabei stehen wir Menschen, als Erzeuger und gleichzeitig Leidtragende, omnipr\u00e4sent im Fokus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>CO2 + CO2 + CO2 &#8211; wir puzzeln die Klimakrise zusammen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Klimawandel klingt zun\u00e4chst nach einem ziemlich erschlagenden Wort, hinter dem ein enorm komplexes Ph\u00e4nomen steckt. Jedoch ist die Kernaussage dieses begrifflichen Mammuts recht simpel zusammengefasst: <strong>Das Klima \u00e4ndert sich.<\/strong> Das tut es schon immer, von Eiszeiten bis zu extrem warmen Trockenzeiten hat sich das globale Klima auf der Erde bereits mehrfach stark ver\u00e4ndert. Allerdings geschahen die Temperaturver\u00e4nderungen noch niemals in der Geschichte so <strong>rasant<\/strong> wie momentan &#8211; das bereitet Klimaforscher:innen und anderen Expert:innen Sorge. Wissenschaftliche Modelle treffen die Vorhersage, dass ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um 2 Grad Celsius der Beginn von einem unaufhaltsamen Dominoeffekt sei. Das hei\u00dft: die sozialen und \u00f6kologischen Lebensverh\u00e4ltnisse auf der Erde werden sich<strong> massiv und unwiderruflich<\/strong> ver\u00e4ndern &#8211; mit teils katastrophalen und teils unvorhersehbaren Folgen. Gerade die unvorhersehbaren Folgen sollten uns wortw\u00f6rtlich ins Schwitzen bringen und sie lassen die Wissenschaftsgemeinschaft von einer <strong>Krise<\/strong> sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Gl\u00fcck wissen wir wenigstens, warum die globale Durchschnittstemperatur steigt: Der Mensch ist durch seine Lebensweise verantwortlich. Seit Beginn der industriellen Revolution und dem Anstieg der Bev\u00f6lkerungsdichte werden stetig klimawirksame  Spurengase, sogenannte Treibhausgase, in die Atmosph\u00e4re gepumpt. <strong>Kohlenstoffdioxid<\/strong>, besser bekannt als CO2, <strong>Methan<\/strong> und <strong>Stickstoff<\/strong>. Eine zu hohe Konzentration dieser Gase in der Atmosph\u00e4re sorgt daf\u00fcr, dass wir uns zunehmend f\u00fchlen als s\u00e4\u00dfen wir in einem Garten-Treibhaus mitten in der W\u00fcste Nevadas fest (\u201eTreibhauseffekt\u201c). Um zu vermeiden, dass dieses Gef\u00fchl zur bitteren Realit\u00e4t wird, hat das Pariser Klimaabkommen 2015 den Grenzwert f\u00fcr eine weitere Erw\u00e4rmung von 1,5\u00b0Celsius festgelegt: W\u00e4rmer darf es nicht werden!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Geschichte der Klimaforschung: Wie lange wissen wir eigentlich schon von dem Einfluss von Kohlendioxid auf das Klima?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Erste Theorien \u00fcber einen physikalischen Effekt stammen aus dem 19. Jahrhundert: Im Jahre 1856 wurden die Forschungsergebnisse der US-Amerikanerin Eunice Foote pr\u00e4sentiert, aus denen erstmalig hervorging, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen der CO2- Konzentration in der Luft und der Erw\u00e4rmung der Erdatmosph\u00e4re gibt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Funfact: Da aber Frauen im 19. Jahrhundert in der Forschung keine Anerkennung erhielten, wurde erst dem schwedischen Forscher Svante Arrhenius im Jahr 1896 zugeschrieben, der Erste gewesen zu sein, der eine globale Erw\u00e4rmung aufgrund der <\/em>CO2<em>-Emission voraussagt habe.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Seit den 1940er Jahren beweisen zahlreiche Untersuchungen, dass der menschengemachte Treibhauseffekt Realit\u00e4t ist. Dazu entstanden in den 1960ern erste Klimamodelle, die durch Computerprogramme Messdaten lieferten.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier wird also klar: Wir Menschen wissen um die Klimawirksamkeit von CO2 schon seit mehr als 160 Jahren! Und seit circa 80 Jahren gibt es keinen Grund mehr am anthropogenen Treibhauseffekt zu zweifeln! Trotzdem wurde der Klimawandel erst im Jahr 2007 \u201eoffiziell\u201c bekannt gegeben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aber was ist in diesen letzten Jahren wirklich auf politischer Ebene passiert?<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>Seit den 1960er Jahren steigt der CO2-Gehalt in der Atmosph\u00e4re unvermindert an. Und dass trotz internationaler Abkommen und vielen Weltklimakonferenzen seit 1979! Zwar gab es einige <strong>Meilensteine<\/strong> in der  vergangenen Zeit, jedoch hatten diese in der Praxis kaum Auswirkungen. Darunter z\u00e4hlt auf nationaler Ebene z.B. die Bundestags-Enquete-Kommission, die 1988 in ihrem ersten Bericht Ma\u00dfnahmen zum Schutz der Erdatmosph\u00e4re empfahl. International betrachtet waren vor allem die Rio-Klimarahmenkonvention 1992, das Kyoto-Protokoll 1997, die Kopenhagen-COP 2009 und das Paris-Abkommen 2015 entscheidende Schritte f\u00fcr die Begrenzung der Erderw\u00e4rmung.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch kann man seitdem auch von einem effektiven <strong>\u201eHandeln\u201c<\/strong> der Politik sprechen? Gesellschaftliche Reaktionen machen deutlich: Nein. Die Politik steht mit dem Verdacht auf Kurzsichtigkeit, Tr\u00e4gheit, Verantwortungslosigkeit und der Leugnung von wissenschaftlichen Fakten seit 1940 vor dem sozialen Gericht. Greta Thunberg hat mit ihrer Rede \u201eHow dare you?\u201c auf dem UN-Klimagipfel 2019 Anklage erhoben. Weitere Proteste von unz\u00e4hligen Klimaaktivist:innen folgten \u00fcber Social Media, mit Demonstrationen und in \u00f6ffentlichen Debatten. Gleichzeitig entstanden im Laufe der letzten Jahre soziale Bewegungen, wie \u201cEnde Gel\u00e4nde\u201c, \u201cExtinction Rebellion\u201c und \u201cFridays for Future\u201c, die f\u00fcr uns alle mit geeinter Kraft f\u00fcr echten Klimaschutz k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es bleibt allerdings abzuwarten<\/strong>, ob die Politik in Zukunft das Paris-Abkommen einhalten und damit den Forderungen der Wissenschaft und der Zivilbev\u00f6lkerung nachkommen wird. Ganz nach dem Motto von Professor Schmitt: \u201c<em>Rio, Kyoto, Paris: quo vadis?\u201d<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wissenschaftliche Erkenntnisse zu leugnen, scheint in der aktuellen Debatte rund um die Corona-Pandemie ein echter Trend geworden zu sein. Jede:r meint, die eine richtige und fundierte Meinung \u00fcber hoch komplexe Sachverhaltezu haben. Wer aber wissenschaftliche Erkenntnisse von renommierten Expert:innen leugnet, verschlie\u00dft die Augen vor der Wirklichkeit. In Hinblick auf die Klimakrise erkl\u00e4rt Professor Schmitt jenes Ph\u00e4nomen wie folgt: \u201eEs ist viel mehr Aufwand, Zweifel zu beseitigen, als Zweifel zu s\u00e4hen!\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aufgeben ist keine Option<\/strong>!<\/p>\n\n\n\n<p>Aus dem Vortrag von Professor Schmitt wurde klar: Die Wissenschaft f\u00fchlt sich von der Politik vernachl\u00e4ssigt und im Hinblick auf die knapper werdende Zeit f\u00e4llt es immer schwerer optimistisch zu bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem arbeiten Wissenschaftler:innen mit Ingenieur:innen, Architekt:innen, Landwirt:innen und Techniker:innen unaufh\u00f6rlich an Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Klimawandels. Dabei ist viel K\u00f6pfchen gefragt, denn jeder Eingriff in die Natur birgt das Risiko, die inh\u00e4rente Balance der Umweltverh\u00e4ltnisse aus dem Gleichgewicht zu bringen. Wie bei dem Gesellschaftsspiel Jenga: Man sollte zuerst den Aufbau des Turms verstehen und sich die umliegenden Steine ansehen, bevor man einen bestimmten Block bewegt oder gar rauszieht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Aber was kann ich tun? Muss ich erst zum Klimaexperten oder zur Klimaexpertin werden und hat ein:e Einzelne:r \u00fcberhaupt einen Einfluss?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wir sollten uns nicht zu sehr den Kopf \u00fcber die Frage zerbrechen, ob unsere Entscheidungen im Einzelnen wirklich z\u00e4hlen. Denn wir k\u00f6nnen und m\u00fcssen die Welt <strong>nicht allein retten<\/strong>. Es gibt eine Bewegung, der sich jede:r anschlie\u00dfen kann. Egal wie \u2013 politisches Engagement, ziviler Aktivismus, Klagen vor dem EuGH oder klimabewusste Entscheidungen im Alltag \u2013 <strong>in der Summe erzielen kleine Taten gro\u00dfe Auswirkungen. <\/strong>Und noch etwas: Unser gemeinsames Engagement gibt der Wissenschaft, Expert:innen, Politiker:innen und allen Klimaaktivist:innen, die am Kampf gegen den Klimawandel beteiligt sind, die <strong>Motivation<\/strong> und <strong>Hoffnung<\/strong> weiterzumachen. Das ist doch schon mal was, oder?<\/p>\n\n\n\n<p>Quellen:<\/p>\n\n\n\n<p>Elli, Renate &amp; Westram, Heike (2021) <em>Die Geschichte der Klimaforschung. <\/em>Abgerufen auf <a href=\"https:\/\/www.br.de\/klimawandel\/klimawandel-klimaforschung-geschichte-historisch-100.html\">https:\/\/www.br.de\/klimawandel\/klimawandel-klimaforschung-geschichte-historisch-100.html<\/a> zuletzt am 23.11.2021.<\/p>\n\n\n\n<p>Schmitt, Michael (2020): Vortrag <em>\u201eKlimawandel und Ich Teil 01 \u2013 Was ist Klimawandel\u201c. <\/em>Abgerufen auf <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=LuFbaIiWnJc\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=LuFbaIiWnJc<\/a> zuletzt am 23.11.2021.<\/p>\n\n\n\n<p>Umweltbundesamt (2021): <em>Die Treibhausgase. <\/em>Abgerufen auf <a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/themen\/klima-energie\/klimaschutz-energiepolitik-in-%20deutschland\/treibhausgas-emissionen\/die-treibhausgase\">https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/themen\/klima-energie\/klimaschutz-energiepolitik-in- deutschland\/treibhausgas-emissionen\/die-treibhausgase<\/a> zuletzt am 23.11.2021.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Natascha G\u00f6bel, Viola Langhans und Isabell Pla\u00df 24.09.2021 auf der ganzen Welt: Im Rahmen des globalen Klimastreiks gehen Millionen Menschen auf die Stra\u00dfe und fordern von der globalen Politik mehr Klimaschutz und eine Perspektive f\u00fcr j\u00fcngere Generationen. 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