{"id":236,"date":"2021-12-22T13:41:00","date_gmt":"2021-12-22T13:41:00","guid":{"rendered":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/?p=236"},"modified":"2023-02-08T13:42:40","modified_gmt":"2023-02-08T13:42:40","slug":"ist-fridays-for-future-zu-jung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/index.php\/2021\/12\/22\/ist-fridays-for-future-zu-jung\/","title":{"rendered":"Ist Fridays for Future zu jung?"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Von Maryam Dabbagh, Julia Jagosz, Sarah Kappert, Carina Klebuch, Christine Mendy, Arthur M\u00fchl&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www3.hhu.de\/buergeruni\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/demonstration-4891275_1280-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2809\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Seit die Klimabewegung Fridays for Future 2018 ins Leben gerufen wurde, wird der Klimakrise mehr und mehr Aufmerksamkeit gewidmet &#8211; die Meinungen und Forderungen der jungen Generation werden geh\u00f6rt. Doch wo die Bewegung am Anfang noch Euphorie ausl\u00f6ste, finden sich heute vermehrt Bedenken \u00fcber die Teilnehmer:innen der Fridays for Future Bewegung. Und wo fr\u00fcher noch \u00fcber die Ziele und Visionen der jungen Bewegung berichtet wurde, r\u00fccken die Aktivist:innen selbst mehr und mehr in den Fokus. Ein guter Zeitpunkt also um vorhandene Vorurteile aufzuarbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Besch\u00e4ftigt man sich ein wenig mit der allgemeinen Meinung zu der Fridays for Future Klimabewegung, kristallisieren sich drei zentrale Kritikpunkte heraus:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Fridays for Future besteht aus Kindern, denen das Verst\u00e4ndnis von internationaler multilateraler Kooperation, Wirtschaft und dem Klima fehlt.&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>Sie sind zu jung, um ein ausgereiftes, politisches Bewusstsein zu besitzen und sollten lieber in die Schule gehen, um sich dort weiterzubilden.<\/li>\n\n\n\n<li>Das Schulschw\u00e4nzen ist der gr\u00f6\u00dfte Motivator f\u00fcr die Jugendlichen. Die Meisten von ihnen interessieren sich gar nicht daf\u00fcr, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen und achten selbst nicht auf ihren Konsum und ihren \u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Ist Fridays for Future tats\u00e4chlich zu jung? Oder wie lassen sich diese Vorurteile gegen\u00fcber der jugendlichen Klimabewegung erkl\u00e4ren?<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ph\u00e4nomen der Vorurteilsbildung ergibt sich aus einem einfachen Grund.&nbsp;Aktivist:innen agieren meist als Gegenpol zum vorherrschenden Gesellschaftsentwurf und bringen das, was bereits besteht, ins Wanken. Sie ecken mit der aktuellen Mehrheitsmeinung an und ziehen durch ihre Proteste gleichzeitig viel Aufmerksamkeit auf&nbsp; sich und ihre Forderungen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Teile der Gesellschaft neigen dagegen dazu, sich auf Altbew\u00e4hrtes zu verlassen. Sie verlassen sich auf das, was sie glauben zu wissen &#8211; neue Standpunkte und Diskurse, besonders von Aktivist:innen, werden hinterfragt und ihre Handlungen kritisiert. Ein weiterer beobachtbarer Faktor bei der Fridays for Future Bewegung ist das bemerkbar junge Alter der Aktivist:innen. Egal wie gut die Jugendlichen sich informiert haben und ob die wissenschaftlichen Erkenntnisse auf ihrer Seite sind &#8211; aus Sicht der \u00e4lteren Bev\u00f6lkerungen fehlt es ihnen an Lebenserfahrung und somit auch an Wissen. Die Jugendlichen werden zu gro\u00dfen Teilen nicht ernst genommen, gerade von den \u00e4lteren Generationen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine andere Frage, die im Rahmen der Klimabewegungen aufkommt, bezieht sich auf die Wahrnehmung der Jugendlichen. Handelt es sich bei ihnen schon um Aktivist:innen? M\u00fcssen Klimabewegungen nur aus Aktivist:innen bestehen? Und ab wann ist man \u00fcberhaupt ein Aktivist:in?<\/p>\n\n\n\n<p>Als Aktivist:in wird eine Person bezeichnet, die mit besonderen Leistungen, mit Aktivismus, versucht bestimmte Ziele zu erreichen. Oft sind diese im weitesten Sinn politischer Art und stammen insbesondere aus den Bereichen der Wirtschafts-, Umwelt- und Sozialpolitik sowie der B\u00fcrger- und Menschenrechte.&nbsp;Ein Aktivist oder eine Aktivistin unterscheidet sich von Politiker:innen vor allem darin, dass er oder sie seine oder ihre Ziele nicht \u00fcber direkte Teilhabe an dem formellen politischen Prozess erreichen will, etwa durch Anstreben eines politischen Amts oder der Mitarbeit in einer Partei, sondern auf eher informelle Art und Weise \u2013 etwa durch \u00d6ffentlichkeitsarbeit, Demonstrationen und Internetaktivit\u00e4ten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein informeller oder auch organisierter Zusammenschluss vieler Aktivist:innen wird bei entsprechenden Zielen auch Soziale Bewegung genannt. Gr\u00f6\u00dfere organisierte Zusammenschl\u00fcsse von gleichgesinnten Aktivist:innen werden teilweise auch als Nichtregierungsorganisationen (NGO) bezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Es zeigt sich: Es gibt nicht den einen idealtypischen Aktivisten oder die idealtypische Aktivistin. Sie unterscheiden sich in Wirkungsweise, Organisation und dem Ma\u00df an Politikbeteiligung. Aktivist:innen agieren in der Zivilgesellschaft, sie vermitteln das Wissen von Expert:innen an die breite Gesellschaft und prangern Probleme \u00f6ffentlich an.<\/p>\n\n\n\n<p>Luisa Neubauer, Studentin und Fridays for Future Aktivistin, erkl\u00e4rte in einer ihrer Reden, dass sie niemals Aktivistin sein wollte. Sie vertraute auf die Politik, bis sie merkte, dass diese keine L\u00f6sung f\u00fcr die Klimakrise bereit hielten. Das macht Aktivismus auch zu einer gewissen Notl\u00f6sung f\u00fcr die heutige, junge Generation, die Fragen, Vorstellungen und Forderungen f\u00fcr und an die heutige und zuk\u00fcnftige Politik hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer ist also Aktivist? Grunds\u00e4tzlich jede:r!<\/p>\n\n\n\n<p>Und ist Fridays for Future zu jung? <\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht ist es von viel mehr Bedeutung zu verstehen, was die Menschen der jungen Generationen uns auf Demonstrationen mitteilen wollen und nicht, ob sie nun Aktivist:innen sind oder eben nicht. Und ihre Nachricht machen sie klar:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es ist Zeit, dass die Menschheit etwas gegen den Klimawandel tut. Solidarisch, gemeinsam und schnell.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Quellen:<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00e4hnrich, B., Riedlinger, M., &amp; Weitkamp, E. (Hrsg.) (2020). Activists as \u201calternative\u201d science communicators \u2014Exploring the facets of science communica-tion in societal contexts. Commentary set. Journal of Science Communication, 19(06).<\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00e4fer, M.S., Post, S., Schwab, R. et al. (2018). Transnationalisierte \u00d6ffentlichkeit und Klimapolitik. Publizistik 63, 207\u2013244.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Maryam Dabbagh, Julia Jagosz, Sarah Kappert, Carina Klebuch, Christine Mendy, Arthur M\u00fchl&nbsp; Seit die Klimabewegung Fridays for Future 2018 ins Leben gerufen wurde, wird der Klimakrise mehr und mehr Aufmerksamkeit gewidmet &#8211; die Meinungen und Forderungen der jungen Generation werden geh\u00f6rt. 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