{"id":260,"date":"2022-02-04T13:57:00","date_gmt":"2022-02-04T13:57:00","guid":{"rendered":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/?p=260"},"modified":"2023-02-08T13:58:22","modified_gmt":"2023-02-08T13:58:22","slug":"die-neue-generation-klimabewegung-demonstrieren-in-pandemiezeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/index.php\/2022\/02\/04\/die-neue-generation-klimabewegung-demonstrieren-in-pandemiezeiten\/","title":{"rendered":"Die neue Generation Klimabewegung &#8211; Demonstrieren in Pandemiezeiten"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Was FFF und XR so neuartig macht und inwieweit die Pandemie Einfluss auf sie hat <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>von Carina Klebuch, Julia Jagosz, Dania Nassim, Katrin Hiluk und Vivien Domagala <\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www3.hhu.de\/buergeruni\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/demonstration-4891291_1280-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2893\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Mit Sicherheit hast du durch soziale Medien, Nachrichten, Zeitung oder Freunde schon mal von Fridays for Future (FFF) geh\u00f6rt, wahrscheinlich auch von Extinction Rebellion (XR). Diese beiden sind wohl die prominentesten Klimabewegungen unserer Zeit. Vielleicht ist dir bei der Berichterstattung auch aufgefallen, wie jung diese Bewegungen sind \u2013 doch wie neu sind FFF und XR wirklich?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ver\u00e4nderte Bedingungen erfordern ver\u00e4nderte Ma\u00dfnahmen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eines l\u00e4sst sich in den letzten Jahren festhalten: Der Klimawandel erh\u00e4lt immer mehr sowohl mediale als auch allgemeine Aufmerksamkeit. Gr\u00fcnde daf\u00fcr lassen sich in den Bereichen der Wissenschaft, Politik und Gesellschaft finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wissenschaft legt immer mehr Belege f\u00fcr die Dringlichkeit von Ma\u00dfnahmen gegen die Klimakrise vor. Im politischen Kontext gab es daher verschiedene globale Klimakonferenzen, die mit einem Protokoll abgeschlossen wurden. Es enth\u00e4lt Ma\u00dfnahmen gegen die Klimakrise, zu dessen Einhaltung sich die Unterzeichnerstaaten in den Folgejahren verpflichten. 2012 lief etwa das Kyoto-Protokoll aus, woraufhin der Wunsch nach einem besseren Abkommen vor allem in den Reihen der Klimaaktivist:innen laut wurde. Im gesellschaftlichen Kontext nahm die weltweite Gerechtigkeitsbewegung das Thema Klimawandel und -schutz auf \u2013 der Begriff <em>Klimagerechtigkeit<\/em> wurde etabliert.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch wie haben sich die Klimabewegungen in puncto Teilnehmer:innen (Wer?), Ma\u00dfnahmen (Wie?) und Gr\u00fcnde (Warum?) entwickelt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das \u201eWer\u201c verschiebt sich<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn dir die Worte \u201eFridays for Future\u201c begegnen, denkst du vielleicht an Greta Thunberg. Als 15-J\u00e4hrige vor dem schwedischen Parlament sitzend gestartet, ist sie mittlerweile <em>das<\/em> Gesicht von FFF. Die Bewegung entwickelt sich international rasant und ist mittlerweile die pr\u00e4senteste Nicht-Regierungsorganisation.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Blick auf die Protestierenden f\u00e4llt auf: Sie sind jung, sie sind Neulinge. Und hier steckt das erste Indiz f\u00fcr einen Wandel: FFF schafft es, zu mobilisieren \u2013 und das in ganz anderen Kreisen als fr\u00fchere Klimabewegungen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das \u201eWie\u201c nimmt eine andere Richtung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ziviler Ungehorsam oder Protestm\u00e4rsche geh\u00f6ren schon lange zum Klimaaktivismus dazu. Doch eines \u00e4nderte sich erstaunlicherweise bei FFF und XR: Statt wie bisher ausdr\u00fccklich auf \u201eDo-it-yourself\u201c-Aktionen zu setzen, die den einzelnen zu klimabewussterem Verhalten anregen sollen, zeichnet sich zus\u00e4tzlich eine <em>R\u00fcckkehr zum Staat<\/em> ab. Dies ist unter anderem sichtbar an den drei Forderungen, die Extinction Rebellion an die Regierung richtet:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Wahrheit sagen<\/li>\n\n\n\n<li>Jetzt handeln<\/li>\n\n\n\n<li>B\u00fcrgerversammlungen einrichten<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p><strong>Das \u201eWarum\u201c bleibt zum Gro\u00dfteil gleich<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Klimaproblematik ist dabei alles andere als neu: Menschengemachte Treibhausgas-Emissionen f\u00fchren zur Erderw\u00e4rmung, Pole schmelzen, Wetterextreme h\u00e4ufen sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Die L\u00f6sung ist dagegen vager geworden &#8211; <em>#listen to the science<\/em> ist nun der Slogan \u2013 damit verbunden ist eine klare Botschaft an die Politik: Ergreift jetzt Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ist die Pandemie jetzt aber ein guter Zeitpunkt f\u00fcr Aktivist:innen, um \u00fcber den Klimawandel zu sprechen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Momente des Wandels sind oft auch Momente, in denen Menschen offener f\u00fcr Ver\u00e4nderungen sind: Doch aufgepasst! Die Forschung zeigt, dass es in Zeiten wie diesen mehr als sonst auf die Kommunikation ankommt.<\/p>\n\n\n\n<p>\nDurch die Pandemie geh\u00f6ren nun seit zwei Jahren weitere Kommunikationswege zum Repertoire der Klimabewegungen: Es finden beispielsweise online viele Sitzungen gemeinsam mit Wissenschaftler:innen statt, bei denen man zuh\u00f6ren und diskutieren kann. Interessanterweise zeigt die Forschung: Die Besorgnis der \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Klimawandel ist w\u00e4hrend der Pandemie nicht zur\u00fcckgegangen!<\/p>\n\n\n\n<p>Covid-19 kann sich wie eine beschleunigte Analogie f\u00fcr den Klimawandel anf\u00fchlen und eindrucksvoll die Bedeutung guter Kommunikation demonstrieren. Regierungen ringen pl\u00f6tzlich mit der Frage, wie sie das Verhalten ihrer Bev\u00f6lkerung auf der Grundlage wissenschaftlicher Informationen \u00e4ndern und gleichzeitig die Unterst\u00fctzung und \u00f6ffentliche Zustimmung aufrechterhalten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ver\u00e4nderte Art und Weise, wie wir leben, regt auch Gespr\u00e4che \u00fcber unsere Beziehung zur Umwelt an \u2013 die Verwundbarkeit unserer Ern\u00e4hrungssysteme, die Mythen und Realit\u00e4ten der \u201eErholung der Natur\u201c ohne menschliche Aktivit\u00e4t, unsere Abh\u00e4ngigkeit von der Natur und voneinander, um zu \u00fcberleben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob die Pandemie dennoch ein Risiko f\u00fcr die Klimabewegungen wie FFF und XR darstellt, erfahren wir wirklich erst in naher Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gibt es jetzt also eine neue Generation der Klimabewegung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja und nein. Klimabewegungen gibt es schon viel zu lange, um sie als neu betiteln zu k\u00f6nnen. Aber es ist neu, wer wie eine bessere Zukunft fordert. Kinder und Jugendliche gehen auf die Stra\u00dfe, um die Politiker:innen dazu aufzufordern, endlich etwas f\u00fcr ihre Zukunft zu unternehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Art und Weise wie sehr vor allem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene f\u00fcr ihre Zukunft k\u00e4mpfen, auch unter erschwerten Bedingungen, wie einer weltweiten Pandemie, ist also definitiv neu!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mocatta, Gabi; Hawley, Erin (2020): The coronavirus crisis as tipping point: communicating the environment in a time of pandemic. In: <em>Media International Australia <\/em>177 (1), S. 119\u2013124. <\/p>\n\n\n\n<p>Moor, Joost de; Vydt, Michiel de; Uba, Katrin; Wahlstr\u00f6m, Mattias (2021): New kids on the block: taking stock of the recent cycle of climate activism. In: <em>Social Movement Studies <\/em>20 (5), S. 619\u2013625. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was FFF und XR so neuartig macht und inwieweit die Pandemie Einfluss auf sie hat von Carina Klebuch, Julia Jagosz, Dania Nassim, Katrin Hiluk und Vivien Domagala Mit Sicherheit hast du durch soziale Medien, Nachrichten, Zeitung oder Freunde schon mal von Fridays for Future (FFF) geh\u00f6rt, wahrscheinlich auch von Extinction Rebellion (XR). 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