{"id":305,"date":"2022-10-13T14:44:00","date_gmt":"2022-10-13T14:44:00","guid":{"rendered":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/?p=305"},"modified":"2023-02-08T14:45:41","modified_gmt":"2023-02-08T14:45:41","slug":"wir-bringen-licht-ins-dunkel-bei-der-nacht-der-wissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/index.php\/2022\/10\/13\/wir-bringen-licht-ins-dunkel-bei-der-nacht-der-wissenschaft\/","title":{"rendered":"Wir bringen Licht ins Dunkel \u2013 bei der Nacht der Wissenschaft"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>von Christine Stender<\/em> <em>M.A.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wissenschaft\nzum Anfassen! <br>\nAm 9. September 2022 fand in D\u00fcsseldorf die vierte <em>Nacht der Wissenschaft<\/em> statt, bei der im Haus der Universit\u00e4t und auf\ndem Schadowplatz \u00fcber wissenschaftliche Projekte und Entdeckungen berichtet\nwurde. Dass die Veranstaltung ein gro\u00dfer Erfolg war, zeigt nicht nur das viele positive Feedback,\nsondern auch die beeindruckende Besucher*innenzahl von \u00fcber 10.000 Menschen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und auch zwei der Projekte, die ihr hier vom Blog kennt, waren bei der <em>Nacht der Wissenschaft<\/em> dabei: Beim Wissenschaftstalk unter dem Motto <em>Was ist eigentlich \u201eCitizen Science&#8220;?<\/em> durften meine Kollegin, Dr. Anna So\u00dfdorf, und ich, Christine Stender, die Ideen der B\u00fcrger*innenwissenschaft vorstellen und \u00fcber unsere Forschungsprozesse berichten.<br><br>Als promovierte Kommunikations- und Medienwissenschaftlerin hat Anna So\u00dfdorf gemeinsam mit Fridays for Future D\u00fcsseldorf und weiteren Wissenschaftler*innen im Projekt \u201eWer sind wir? Fridays f\u00fcr Future meets Citizen Science\u201c untersucht, wie die lokale FfF-Bewegung arbeitet, ihre Anh\u00e4nger*innen mobilisiert und ihre Agenda an politische Entscheidungstr\u00e4ger*innen kommuniziert. Mehr zum Projekt findet sich hier im <a href=\"https:\/\/www3.hhu.de\/buergeruni\/index.php\/category\/fridays-for-future\/\">Blog<\/a>. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Austausch mit B\u00fcrger*innen ist das Ziel der <em>Nacht der Wissenschaft<\/em> \u2013 genau wie in den Projekten \u201eKulturelle Teilhabe und Citizen Science\u201c und \u201eWer sind wir? Fridays f\u00fcr Future meets Citizen Science\u201c. Aus diesem Grund haben Anna und ich eine offene Plattform schaffen wollen, um dieses Gespr\u00e4ch zwischen Wissenschaft und B\u00fcrger*innen zu erm\u00f6glichen. Nicht nur haben wir uns gegenseitig zu unserer Forschung befragt, sondern die Fragen und Anmerkungen des Publikums in den Fokus gestellt. \u00dcber Postkarten, die im Publikum verteilt wurden, sowie \u00fcber ein Online-Tool, das \u00fcber einen QR-Code aufrufbar war, konnten die Besucher*innen ihren Input notieren und Fragen einreichen, die wir unmittelbar beantwortet und diskutiert haben.<br><br>Und diese wichtigen Gedankenanst\u00f6\u00dfe aus dem Publikum m\u00f6chte ich auch hier nochmal Revue passieren lassen, weil sie nicht nur mich am Abend selbst betrafen, sondern das Projekt langfristig beeinflussen werden. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Angefangen bei \u201e<em>Was ist Citizen Science?\u201c<\/em>, \u00fcber Fragen nach der Sicherung der wissenschaftlichen Qualit\u00e4t von &nbsp;wissenschaftlichen Projekten mit B\u00fcrger*innenbeteiligung, bis zur Frage \u201e<em>Wie kann ich mitmachen?\u201c<\/em> konnten wir uns inhaltlich ganz nach den W\u00fcnschen des Publikums richten und \u00fcber die Grundidee der Citizen Science, Kategorien der Qualit\u00e4tssicherung und Partizipationsm\u00f6glichkeiten sprechen. Und auch kritische Themen wurden offen angesprochen: Mit dem Kommentar \u201e<em>Klingt nach kostenlosen wissenschaftlichen Helfer*innen\u201c<\/em> wurde ein Argument aufgegriffen, das im Wissenschaftskontext selbst schon kontrovers diskutiert wurde und dem ich und auch meine Kolleg*innen aus dem Kreis der Citizen Science entgegenstellen, dass es sich beim Engagement als Citizen Scientist immer um ein Geben und Nehmen handeln (muss). Die wissenschaftlichen Forscher*innen bekommen Zugriff auf Wissen, Daten und wichtige Praxisexpertise und die Citizen Scientists erfahren mehr \u00fcber ein Thema, das sie interessiert, erhalten Einblick in Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens und sind Teil einer Fachcommunity, die gemeinsam daran arbeitet, Neues herauszufinden. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www3.hhu.de\/buergeruni\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/NdW-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3175\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\"> \u00a9 Eva Caroline Eick  <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leider hat unsere Idee, die Inhalte durch das Publikum bestimmen zu lassen,<em> zu<\/em> gut funktioniert, so dass wir nicht alle Fragen aus dem Plenum beantworten konnten. Daher m\u00f6chte ich drei Fragen noch ihren verdienten Raum geben und sie hier beantworten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Lohnt sich Citizen Science nicht lediglich f\u00fcr sehr oberfl\u00e4chliche wissenschaftliche Themen und tr\u00fcgt das Bild, \u201etiefer\u201c in die Wissenschaft zu blicken? Komplexe Themen ben\u00f6tigen schlie\u00dflich ein umfangreiches Wissen. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zun\u00e4chst stimme ich dem Grundsatz nat\u00fcrlich zu, dass die\nKomplexit\u00e4t eines Themas und das ben\u00f6tigte Vorwissen zusammenh\u00e4ngen, aber hier\nliegt ein weiterer positiver Aspekt der Citizen Science: Es gibt nicht nur eine\nVorgehensweise, sondern eine ganze Vielfalt an Umsetzungsoptionen. W\u00e4hrend in\nunserem Projekt \u201ako-kreativ\u2018 gearbeitet wird \u2013 die Expert*innen aus den\nVereinen also bei der Formulierung von Forschungsfragen, &#8211; hypothesen und auch\ndem geplanten Fragebogen involviert sind, gibt es auch Projekte, bei denen die\nCitizen Scientists bei der aktiven Erhebung der Daten mitwirken. Man denke an\ndie allj\u00e4hrliche Z\u00e4hlung der Winterv\u00f6gel durch den Naturschutzbund. <br>\nDamit ist in den meisten Projekten die Zusammenarbeit sehr spezifisch und der\ntiefere Blick \u2013 und damit auch das komplexere Vorwissen \u2013 k\u00f6nnen gemeinsam von\nWissenschaftler*innen und Citizen Scientists erarbeitet werden. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>K\u00f6nnen CS Forschungsprojekte auch scheitern? Zum Beispiel aufgrund von fehlender Beteiligung oder Kontaktabbruch? <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch hier ist meine erste Antwort: Ja, das k\u00f6nnen sie auf jeden\nFall! Und auch hier kommt das \u201eaber\u201c direkt hinterher: W\u00e4hrend Citizen Science\nProjekte durch den kollaborativen Ansatz nat\u00fcrlich mehr auf die Beteiligung aus\nder Zivilgesellschaft angewiesen sind, klappt es erstaunlich oft, an einer\ngrunds\u00e4tzlichen Neugier der Menschen anzudocken und damit Citizen Scientists\nmit ins Boot zu holen, die nicht nur interessiert sind, sondern in Teilen schon\n\u00fcber einen gro\u00dfen Schatz an Vorwissen zur Thematik verf\u00fcgen. Und damit leistet\nCitizen Science meiner Einsch\u00e4tzung nach etwas f\u00fcr die Wissenschaft insgesamt\nsehr Wertvolles: Ohne die gute wissenschaftliche Praxis aus den Augen zu\nverlieren, spiegeln erfolgreiche Citizen Science Projekt die Fragen und\nInteressen der beteiligten Gesellschaft. Und der Erfolg bezieht sich hier auf\nein nachhaltiges Involvement der B\u00fcrger*innen und darauf, dass \u201edie Forschung\u201c\nsich so in einer Art der Gesellschaft auch wieder ann\u00e4hert. Alle\nForschungsprojekte, die in der ein oder anderen Form vom Mitwirken einer\nGesellschaft abh\u00e4ngen, k\u00f6nnen an dieser Abh\u00e4ngigkeit scheitern. Das Risiko\nbzgl. eines Kontaktabbruchs bei der Citizen Science sehe ich durch das h\u00f6here\nInvolvement der Teilnehmenden nicht deutlich h\u00f6her als bei der Abh\u00e4ngigkeit\ndavon, Menschen zu finden, die einen Fragebogen ausf\u00fcllen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Gibt es besondere F\u00f6rderungen f\u00fcr Citizen Science Projekte? Wie positioniert sich die Politik zu dieser Forschungsform? <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den letzten Jahren ist die Zahl der F\u00f6rdert\u00f6pfe f\u00fcr Citizen Science kontinuierlich gestiegen, nicht nur durch die Initiativen von Universit\u00e4ten und Hochschulen, sondern auch im Rahmen von Projekten, die von politischer Seite erm\u00f6glicht werden. So hat zum Beispiel das <a href=\"https:\/\/www.bmbf.de\/bmbf\/de\/ueber-uns\/wissenschaftskommunikation-und-buergerbeteiligung\/buergerbeteiligung\/citizen-science\/citizen-science_node.html\">BMBF<\/a> (Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung) eine recht ansehnliche Zahl von F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten. <br>Die F\u00f6rderung durch Ministerien und Forschungsinstitute ist so ein direkter Hinweis auf den politischen Willen, Citizen Science zu st\u00e4rken. Dieser findet sich auch im aktuellen Koalitionsvertrag der Bundesregierung, die formuliert: \u201eWir werden mit Citizen Science und B\u00fcrgerwissenschaften Perspektiven aus der Zivilgesellschaft st\u00e4rker in die Forschung einbeziehen.\u201c<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a><br><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Koalitionsvertrag\nder SPD, B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen und FDP 2021, S. 19.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Christine Stender M.A. Wissenschaft zum Anfassen! Am 9. September 2022 fand in D\u00fcsseldorf die vierte Nacht der Wissenschaft statt, bei der im Haus der Universit\u00e4t und auf dem Schadowplatz \u00fcber wissenschaftliche Projekte und Entdeckungen berichtet wurde. 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