{"id":567,"date":"2023-06-05T11:16:15","date_gmt":"2023-06-05T09:16:15","guid":{"rendered":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/?p=567"},"modified":"2023-07-06T15:44:42","modified_gmt":"2023-07-06T13:44:42","slug":"workshop-1-digitale-suffizienz-in-kulturinstitutionen-wie-digitale-angebote-nachhaltig-gestaltet-werden-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/index.php\/2023\/06\/05\/workshop-1-digitale-suffizienz-in-kulturinstitutionen-wie-digitale-angebote-nachhaltig-gestaltet-werden-koennen\/","title":{"rendered":"Workshop 1:\u00a0Digitale Suffizienz in Kulturinstitutionen \u2013 Wie digitale Angebote nachhaltig gestaltet werden k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>von Nienke W\u00fcst<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Digitalisierung und Nachhaltigkeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Digitalisierung ist allgegenw\u00e4rtig. Wie die Nachhaltigkeit z\u00e4hlt sie zu den aktuellen Megatrends, die unsere Lebensrealit\u00e4t beeinflussen. Wird \u00fcber Digitalisierung gesprochen, steht h\u00e4ufig eine Forderung nach&nbsp;<strong>mehr&nbsp;<\/strong>Digitalit\u00e4t im Vordergrund und es wird betont, dass bei vielen Arbeitsprozessen hinsichtlich der Digitalisierung \u2013 gerade in Deutschland \u2013 noch enormer Nachholbedarf und Optimierungspotenzial besteht. Dies gilt auch f\u00fcr die Kulturbranche. Museen und andere Kulturbetriebe r\u00fcsten nach und nach digital auf: mit Tools und Apps, virtuellen Rundg\u00e4ngen, digitalen Sammlungen und weiteren Angeboten. Sie alle m\u00f6chten zug\u00e4nglicher, zeitgem\u00e4\u00dfer und inklusiver werden, um neue, vor allem j\u00fcngere, Zielgruppen zu gewinnen. Doch geht diese Strategie auf? Wie lassen sich wachsende technische Ambitionen mit einem Nachhaltigkeitsideal vereinbaren? Sind Digitalisierung und Nachhaltigkeit zwei Ziele, die miteinander konkurrieren oder die sich erg\u00e4nzen? Diesen Fragen widmete sich der Workshop \u201eDigitale Suffizienz in Kulturinstitutionen. Wie digitale Angebote nachhaltig gestaltet werden k\u00f6nnen.\u201c von Johannes Berger. Johannes ist Digital Curator und Produktmanager bei der&nbsp;<em>Homo Ludens GmbH<\/em>, einer Agentur f\u00fcr digitale Educational und Serious Games in der Kulturbranche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was bedeutet&nbsp;<em>Suffizienz<\/em>?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anstatt zu versuchen die vorhandenen technischen M\u00f6glichkeiten maximal auszusch\u00f6pfen, bedeutet Suffizienz zu fragen \u201eWas ist genug?\u201c. Suffizienz kann eine wichtige Strategie auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung sein. Im Rahmen der Digitalisierung spricht man von der&nbsp;<em>Digitalen Suffizienz<\/em>. Die aktuelle Forschung unterscheidet vier Handlungsfelder der Digitalen Suffizienz: die&nbsp;<em>Techniksuffizienz<\/em>, die&nbsp;<em>Datensuffizienz<\/em>, die&nbsp;<em>Nutzungssuffizienz<\/em>&nbsp;und die&nbsp;<em>\u00d6konomische Suffizienz<\/em>&nbsp;(vgl. Lange\/Santarius 2018). Das \u00fcbergeordnete Ziel dieser Handlungsfelder ist es, die Potenziale der Digitalisierung effizient zu nutzen, ohne dabei Ressourcen f\u00fcr nicht zwingend n\u00f6tige Erweiterungen zu verschwenden. Nach einem kurzen theoretischen Input von Johannes durften die Workshopteilnehmenden selbst aktiv werden. In Kleingruppen wurde erarbeitet, wie diese Handlungsfelder praktisch in Kulturbetrieben umgesetzt werden und welche Herausforderungen dabei auftreten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" data-id=\"568\" src=\"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Workshop-1_Gruppe-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-568\" srcset=\"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Workshop-1_Gruppe-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Workshop-1_Gruppe-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Workshop-1_Gruppe-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Workshop-1_Gruppe-1-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Workshop-1_Gruppe-1-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00a9 Nienke W\u00fcst<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die vier Handlungsfelder der Digitalen Suffizienz in Kulturbetrieben<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Fall der&nbsp;<em>Techniksuffizienz<\/em>&nbsp;soll auf eine bereits vorhandene Software ohne unn\u00f6tige Funktionen zur\u00fcckgegriffen werden, die eine breite Kompatibilit\u00e4t mit verschiedenen Endger\u00e4ten aufweist, idealerweise auch mit nachhaltigen Devices (z.B. Fairphone, ein Unternehmen, welches Elektronik unter fairen Bedingungen und mit nachhaltigen Materialien produziert). Oft besteht aber noch ein&nbsp;<em>Intention-Behavior-Gap&nbsp;<\/em>bei der Nutzung nachhaltig und fair produzierter Endger\u00e4te, also eine Diskrepanz zwischen dem guten Vorsatz und der tats\u00e4chlichen Umsetzung, da es meist bequemer ist, die Ger\u00e4te und Betriebssysteme konventioneller Anbieter zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Datensuffizienz<\/em>&nbsp;bedeutet, dass die durch die Nutzung der Anwendung entstandenen Daten und Erkenntnisse in Form von OpenData oder OpenAccess f\u00fcr andere Zwecke sinnvoll weitergenutzt werden, solange dies im Einklang mit dem Datenschutz geschieht. Die Workshopteilnehmenden arbeiteten hier heraus, dass es wichtig ist, Art und Ausma\u00df der Datenverarbeitung transparent mit den Besucherinnen und Besuchern zu kommunizieren, z.B. \u00fcber entsprechende schriftliche Hinweise oder Banner.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<em>Nutzungssuffizienz<\/em>&nbsp;meint die Beschr\u00e4nkung auf wesentliche Kernfunktionen in der Anwendung. In vielen digitalen Anwendungen werden beispielsweise gerne Spielmechanismen eingesetzt, die als extrinsische Motivatoren zur Nutzung dienen sollen. Eine solche Gamification kann zwar Anreize f\u00fcr die Nutzer*innen bieten, jedoch sollte im Vorfeld sorgf\u00e4ltig abgew\u00e4gt werden, ob diese Funktionen auch wirklich einen inhaltlichen Mehr-Wert bieten oder ob dadurch einfach nur eine unn\u00f6tige Mehr-Nutzung entsteht.&nbsp;Ein Beispiel f\u00fcr Nutzungssuffizienz in&nbsp;der Kulturbranche kann z.B. eine Museums-App sein, in der digitale F\u00fchrungen angeboten werden, die nicht die komplette Sammlung abdecken, sondern an die individuellen Interessenschwerpunkte bzw. verf\u00fcgbare Zeit der Besucherinnen und Besucher abgestimmt sind.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Worksshop-1_Gruppe-2-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-569\" srcset=\"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Worksshop-1_Gruppe-2-768x1024.jpg 768w, https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Worksshop-1_Gruppe-2-225x300.jpg 225w, https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Worksshop-1_Gruppe-2-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Worksshop-1_Gruppe-2-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Worksshop-1_Gruppe-2-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00a9 Nienke W\u00fcst<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zuletzt wird mit der&nbsp;\u00f6<em>konomischen Suffizienz<\/em>&nbsp;die wirtschaftliche Komponente ber\u00fccksichtigt. Hier unterscheidet man zwischen externer und interner Suffizienz. Um Kosten in der Entwicklung einer Anwendung zu sparen, kann auf Free and Open Source Software, sog. FLOSS, zur\u00fcckgegriffen werden, deren Quellcode kostenfrei zur Verf\u00fcgung steht (externe Suffizienz). Intern kann \u00f6konomische Suffizienz durch einen institutions\u00fcbergreifenden Wissens- und Kompetenzaustausch (z.B. Fortbildungen, Leitf\u00e4den etc.) und der Abw\u00e4gung, dass solche Elemente als Motivationsfaktoren mit dem Nachteil der eventuellen Mehrnutzung dienen k\u00f6nnen, realisiert werden. Wachstumsverzicht zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung kann allerdings in Konflikt mit den aktuellen Strategien der Kulturpolitik und -f\u00f6rderung geraten, da auch nicht-gewinnorientierte Kultureinrichtungen immer \u00f6fter anhand ihrer Besucher*innenzahlen \u2013 und ob sie diese steigern k\u00f6nnen \u2013 gemessen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor dem Start eines Projekts oder der Neuentwicklung eines digitalen Angebots sollte jede Kulturinstitution im Hinblick auf die Suffizienz unter anderem die Fragen beantworten, ob der digitale Raum der richtige Ort ist und ob ein tats\u00e4chlicher Mehrwert f\u00fcr Besucherinnen und Besucher entstehen kann. Suffizienz ist also ebenso wie Nachhaltigkeit nicht blo\u00df eine Frage der Technik, sondern auch eine des Mindsets.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu Johannes Berger:<br><strong>Johannes Berger&nbsp;<\/strong>ist Digital Curator und Produktmanager bei der Homo Ludens GmbH, einer Agentur f\u00fcr digitale Educational und Serious Games in der Kulturbranche \u2013 assoziiert mit dem gamelab.berlin von der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin. 2022 absolvierte er seinen Master of Arts in Museumsmanagement und -kommunikation an der HTW Berlin. Zuvor studierte er Filmwissenschaft und Geschichte an der Freien Universit\u00e4t Berlin und schloss eine Ausbildung zum Mediengestalter f\u00fcr Bild &amp; Ton ab. Seit 2020 ist er aktives Mitglied des ICOM Deutschland Young Professionals Netzwerkes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Autorin:<br><strong>Nienke W\u00fcst<\/strong> ist Studierende im Masterstudiengang <em>Kunstvermittlung und Kulturmanagement<\/em> an der HHU und bildet gemeinsam mit Melina Hartmann und Katharina Reher das <a href=\"https:\/\/www.kuma.hhu.de\/duesseldorfer-symposium-fuer-nachhaltigkeit-in-kunst-und-kultur\/teamprojekte\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Team Dokumentation<\/a>, welches das <em>D\u00fcsseldorfer Symposium zur Nachhaltigkeit in Kunst und Kultur <\/em>inhaltlich nachbereitet.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Der Quellcode ist der in einer Programmiersprache verfasste Text eines Computerprogramms.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Nienke W\u00fcst Digitalisierung und Nachhaltigkeit Digitalisierung ist allgegenw\u00e4rtig. 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