{"id":726,"date":"2023-12-12T16:17:11","date_gmt":"2023-12-12T15:17:11","guid":{"rendered":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/?p=726"},"modified":"2024-03-19T11:19:10","modified_gmt":"2024-03-19T10:19:10","slug":"meine-betrachtung-zu-kultur-mit-wem-am-9-11-23","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buergeruni.hhu-blog.de\/index.php\/2023\/12\/12\/meine-betrachtung-zu-kultur-mit-wem-am-9-11-23\/","title":{"rendered":"Meine Betrachtung zu \u201eKultur mit wem?\u201c am 09.11.23 &#8211; #01"},"content":{"rendered":"\n<p><em>von Katharina Schmidt<\/em>,<em> Teilnehmende bei den Tischgespr\u00e4chen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Am 9. November haben die Heinrich-Heine-Universit\u00e4t gemeinsam mit der Bundesvereinigung kulturelle Teilhabe e.V. und der Kulturliste D\u00fcsseldorf e.V. zur Veranstaltung &#8222;Kultur mit wem? Tischgespr\u00e4che zu Kultur und Teilhabe&#8220; eingeladen. \u00dcber 100 Menschen haben an der Veranstaltung teilgenommen und einige berichten nun hier dar\u00fcber, wie sie die Tischgespr\u00e4che wahrgenommen und empfunden haben.<\/em> <em>Den Anfang macht Katharina Schmidt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Als Asperger Autistin w\u00e4re ich vom Aufgebot und der gro\u00dfen Anzahl Menschen, die sich am 9. November 2023 im KAP 1, dem Geb\u00e4ude nahe des D\u00fcsseldorfer Hauptbahnhofs am Konrad-Adenauer-Platz, eingefunden hatten, sicherlich v\u00f6llig ver\u00e4ngstigt und komplett \u00fcberfordert gewesen, h\u00e4tte mich nicht eine liebe Freundin, die genau wie ich zur Zielgruppe des Tages geh\u00f6rte, unterst\u00fctzend begleitet.<\/p>\n\n\n\n<p>So hatte ich einen Ankerpunkt, der mir die Sicherheit bot, auch mal alleine alles zu erkunden und mich erstmal zu akklimatisieren, bis die Einf\u00fchrung und die Reden begannen, die mir ein bisschen zu lang und auch dr\u00f6ge vorkamen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber sowas geh\u00f6rt eben dazu. Leider muss ich gestehen, dass mich gerade die Situation besonders angesprochen hat, in der die Technik versagte und sich alle weiteren Termine des Tages dadurch nach hinten verschoben. ADHS sei Dank bekomme ich ja auch wirklich alles um mich herum mit.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Siehst du, keine Maschinen, die ein Programm abspulen, was vorher festgelegt wurde, es sind doch Menschen wie &#8218;du und ich'&#8220;, vermittelte mir mein gestresster Kopf. Ab dann begann ich mich zu entspannen und den weiteren Programmpunkten voller Vorfreude entgegen zu sehen. Und ich wurde nicht entt\u00e4uscht.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Kulturg\u00e4stin sind mir das KAP 1 sowie die R\u00e4umlichkeiten des FFT, Forum freies Theater, wohlbekannt. Auch die Mitarbeitenden kenne ich teilweise, so dass ich mich dort immer wohl und gut aufgehoben f\u00fchle. Nur deshalb konnte ich mich \u00fcberhaupt auf eine so gro\u00dfe und, f\u00fcr mich als Long Covid-Patientin, lange Veranstaltung \u00fcberhaupt einlassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein straff gespanntes Programm, unterbrochen durch ein paar wohlgeplante Pausen inklusive eines leckeren Mittagessens, bei dem wirklich an alle und alles gedacht wurde &#8211; und geschmeckt hat&#8217;s auch &#8211; rundete den offiziellen Teil ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer kurzen Mittagspause ging es in einzelnen Themengruppen weiter, nicht ohne dass wir vorher an verschiedenen S\u00e4ulen per Post-it unsere Eindr\u00fccke schriftlich hinterlassen haben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Feedback ist alles. Das verstehe ich gut, und so habe ich es gern gegeben, so wie hier jetzt auch.<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne entsprechende Ausbildung als Journalistin oder \u00e4hnliches, betrachte ich den Tag mit meinen ganz privaten Augen.<\/p>\n\n\n\n<p>Meiner neurotypischen Freundin (<em>neurologisch typisch<\/em>, kurz NT, bezieht sich auf Menschen, die keinen Autismus haben) wurde es in der Mittagspause bereits zu viel, und so verabschiedete sie sich kurz darauf von mir und fuhr nach Hause.<\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich h\u00e4tte der Tag damit f\u00fcr mich beendet sein m\u00fcssen, aber ich wollte noch tiefer in die Materie eindringen und bin deshalb mit meiner gew\u00e4hlten Gruppe in Richtung Bibliothek abgezogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Kritikpunkt war, dass auf mich mit Rollator und daher wesentlich langsamer unterwegs und auch nicht Treppe-nutzend, anfangs nicht viel R\u00fccksicht genommen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich mich auf der n\u00e4chsten Etage nicht bereits ausgekannt h\u00e4tte, w\u00e4re ich nicht im Seminarraum angekommen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Unwissentlich hatte ich mir den f\u00fcr mich spannendsten und interessantesten Raum ausgesucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuerst ging&#8217;s um die Fortuna (Fu\u00dfballclub, Fortuna D\u00fcsseldorf, F95) und deren Fanbeauftragte f\u00fcr Behinderte, Betty Nowag, die uns eindrucksvoll vorstellte, was aktuell im Stadion m\u00f6glich ist und dass man auch mit Rollator oder beispielsweise einer Sehbehinderung im Stadion ein gern gesehener Gast ist.&nbsp;Mein Fazit: Ich kann endlich wieder ins Stadion gehen! Das habe ich seit dem Beginn von Corona, und durch Long Covid zus\u00e4tzlich behindert und deshalb nur noch mit Rollator unterwegs, arg vermisst.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Danach wurde die Oper vorgestellt, speziell die Deutsche Oper am Rhein, hier bei uns in D\u00fcsseldorf. Auch sie ist ein Lieblingsaufenthaltsort f\u00fcr mich.&nbsp;Besonders herausgehoben wurden die Jugendarbeit, aber auch die Einbindung von bisher Nicht-Operng\u00e4nger*innen ins Operngeschehen, zum Beispiel durch das Projekt &#8222;Leichter getanzt als gesagt&#8220; und auch die junge Oper mit ihrem UFO (einer mobilen Spielst\u00e4tte) sowie das Ballett.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Da m\u00fcsste eigentlich jede und jeder etwas Passendes f\u00fcr sich finden und in der Oper entdecken k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Spannend fand ich von anderen Menschen anderer Vereine quer durch Deutschland &#8211; unserer Kulturliste \u00e4hnlich &#8211; zu erfahren, wie das bei ihnen so l\u00e4uft, und welche Schwierigkeiten dort auftauchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Austausch war interessant und lehrreich f\u00fcr mich. Dar\u00fcber hatte ich mir bisher wenig bis gar keine Gedanken gemacht, sondern einfach nur profitiert und genossen. Aber es steckt eine Menge mehr hinter dem simplen Vermitteln von Karten f\u00fcr eine kulturelle Veranstaltung. Man lernt eben nie aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Abschluss des vollgepackten Tages fand noch ein lockerer Austausch statt, einer Stehparty \u00e4hnlich, auf der H\u00e4ppchen gereicht wurden, der mich v\u00f6llig \u00fcberfordert hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Sobald sich feste Strukturen aufl\u00f6sen, geben sich alle der Gem\u00fctlichkeit hin und f\u00fchlen sich wohl, w\u00e4hrend ich anfange zu schwitzen und Panik bei mir ausbricht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein kurzer Blick in den offenen Raum mit vielen Menschen, mir stiegen die Tr\u00e4nen hoch, und ich entschied mich innerhalb einer Sekunde, den Tag jetzt sofort zu beenden, um nicht heulend und komplett \u00fcberfordert nach Hause fahren zu m\u00fcssen. Das h\u00e4tte der Tag nicht verdient, und so wollte ich mich auch nicht an ihn erinnern.<\/p>\n\n\n\n<p>Also zog ich mich zur\u00fcck und fuhr gelassen mit dem n\u00e4chsten Bus nach Hause. Ich kenne meine Einschr\u00e4nkungen und war und bin mehr als begeistert, wie lange und wie gut ich aushalten konnte, wieviel ich mitgenommen habe und wie fein ich mich ins Gef\u00fcge des Tages einpassen konnte. Das gelingt mir beileibe nicht immer.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich brauche Bekanntes, Infos vorher, je mehr desto besser, R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeiten, einen &#8222;festen&#8220; Punkt und so weiter, um mich vielen Menschen mit einem mir ziemlich unbekannten Tagesablauf \u00fcberhaupt stellen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass ich das die letzten Stunden sogar ohne Begleitperson geschafft habe, macht mich ziemlich stolz und zeigt mir, dass es manchmal doch geht, wenn n\u00e4mlich das Umfeld stimmt und ich mich zwischen Menschen bewege, bei denen ich mich wohl und aufgehoben und anerkannt, eben gemocht, f\u00fchle.<\/p>\n\n\n\n<p>Letztendlich ist es die Wertsch\u00e4tzung des einzelnen Menschen, ungeachtet seiner Bildung oder sonstiger Einschr\u00e4nkungen, die seinen Wert ausmacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe mich wertvoll gef\u00fchlt. Danke daf\u00fcr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Katharina Schmidt, Teilnehmende bei den Tischgespr\u00e4chen Am 9. 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