von Bruno Andreas Walther, Institut für Botanik an der HHU
Dank eurer Teilnahme kann PUKI allererste Ergebnisse zeigen – weiter so!
Im letzten Blogbeitrag haben wir euch die fünf Stars der Pflanzenforschung vorgestellt, die wir bei PUKI (www.puki.hhu.de) mit der Unterstützung von Bürgerwissenschaftler*innen untersuchen1. Hier möchten wir euch die ersten Ergebnisse zeigen, die wir durch die Daten und Proben erhalten haben, die ihr, die Bürgerwissenschaftler*innen, im Jahre 2024 gesammelt habt.
Insgesamt erhielten wir ungefähr 120 Pflanzenproben, 110 Schotenproben und 80 Bodenproben von euch. Die niedrigere Zahl der Bodenproben ergibt sich aus der Tatsache, dass viele Pflanzen in Pflasterritzen wachsen (Abbildung 3 in 2), wo es natürlich meistens unmöglich ist, Bodenproben zu entnehmen, wenn man sich keinen Ärger mit dem Ordnungsamt einhandeln möchte!
Von unserem Ziel, bundesweit zu sammeln, sind wir noch weit entfernt (Abbildung 1). Es ist aber ja auch erst das erste Jahr des Projektes. Die meisten Sammlungen fanden in Nordrhein-Westfalen statt, wo wir schon viele Bürgerwissenschaftler*innen anwerben konnten, teilweise durch unsere zahlreichen Veranstaltungen3. Vielen Dank an dieser Stelle an die Bürgeruni der HHU, die uns bei Veranstaltungen half und diesen PUKI-Blog betreibt.
Viele Sammlungen fanden im Sommer in Potsdam statt, weil dort Prof. Dr. Anja Linstädter4 mit ihren Student*innen fleißig am Sammeln war. Drei Sammelorte sind noch in Sachsen-Anhalt in der Nähe der Hansestadt Salzwedel zu finden, und einer in Bayern westlich von München.

Abbildung 1: Geographische Verteilung der Sammelorte in Deutschland. Freiwillige gaben entweder nur Daten bei Flora Incognita ein (hellgrüne Punkte) oder sie sammelten zusätzlich Pflanzen- und Bodenproben (hellbraune Punkte) (Karte hergestellt mit frei zugänglichen Karten und QGIS von B. Walther).
Von unseren fünf Zielpflanzen wurden bisher nur vier gesammelt. Die meisten Sammlungen betrafen den Schmalblättrigen Doppelsamen, gefolgt von der Acker-Schmalwand, dem Viermännigen Schaumkraut und dem Gewöhnlichen Hirtentäschel (Abbildung 2). Darum unsere Bitte an euch: mal nach dem Rübsen Ausschau halten in 2025!

Abbildung 2: Prozentuale Verteilung der Pflanzenarten errechnet aus 330 Dateneingaben. Keine einzige Dateneingabe wurde vom Rübsen gemacht.
Ökologisch interessant wird es bei den Habitaten. Wir wissen ja, dass alle fünf Zielpflanzen sogenannte „Pionierpflanzen“ sind5. Die von euch gesammelten Daten bestätigen das: die drei häufigsten der insgesamt 11 Habitatstypen waren Weg und Wegrand, Blumenbeet und Pflaster (Abbildung 3), also offene Habitate mit normalerweise viel Lichteinfall.

Abbildung 3: Prozentuale Verteilung der Habitatstypen errechnet aus 267 Dateneingaben. Die 11 Habitatstypen sind im Uhrzeigersinn angeordnet, mit Acker(-rand) ganz oben, gefolgt von Blumenbeet, Garten, Mauer, usw. Vier Habitatstypen hatten einen Anteil von < 1.0% (nämlich Acker(-rand), Garten, Park, und Strand).
Apropos Lichteinfall: Weil es sich um Pionierpflanzen handelt, hatten wir auch erwartet, dass die meisten Sammelorte eher viel Licht abbekommen. Und eure Daten bestätigen das: die meisten Sammelorte wurden als sonnig kategorisiert, gefolgt von halbschattig und schattig (Abbildungen 4-5). Und weil wir die Daten von euch bekommen haben, können wir nun auch noch etwas tiefer forschen.

Abbildung 4: Prozentuale Verteilung des Lichteinfalls errechnet aus 266 Dateneingaben.

Abbildung 5: Ein ganz typischer Standort für den Schmalblättrigen Doppelsamen: ein sonniges Plätzchen direkt am Wegesrand (Düsseldorf, 15. August 2024; Foto von B. A. Walther).
Die Reihenfolge sonnig > halbschattig > schattig ist eindeutig für drei der Arten, aber beim Viermännigen Schaumkraut ist es genau andersrum! Nur 8,1% Standorte des Schaumkrautes wurden als sonnig kategorisiert, und der Rest verteilte sich ungefähr Hälfte-Hälfte auf halbschattig und schattig (Tabelle 1). Natürlich wurden eure Beobachtungen nicht systematisch und repräsentativ erhoben, sondern rein nach dem Zufallsprinzip. Es könnte also sein, dass die Beobachtungen des Lichteinfalls für das Viermännige Schaumkraut rein zufällig und damit nicht repräsentativ sind. Aber eine interessante erste Beobachtung ist es, und genau da können wir dann in Zukunft genauer weiterforschen.
Art | % sonnig | % halbschattig | % schattig |
Acker-Schmalwand | 41,1 | 31,5 | 27,4 |
Gewöhnliches Hirtentäschel | 68,0 | 24,0 | 8,0 |
Schmalblättriger Doppelsame | 61,3 | 24,5 | 14,2 |
Viermänniges Schaumkraut | 8,1 | 46,8 | 45,2 |
Tabelle 1: Prozentueller Anteil der drei Kategorien von Lichteinfall für vier der Zielpflanzen.
Und weiterforschen bedeutet vor allem: mehr Daten! Denn je mehr Daten wir haben, desto sicherer werden natürlich unsere Resultate und Schlussfolgerungen6. Viele von euch haben z.B. auch unter dem Eingabefeld „Notiz“ eingegeben, welche anderen Pflanzenarten in der Umgebung der Zielpflanze wachsen. Das hilft uns, das Habitat und das Ökosystem der Pflanzen besser zu verstehen (Abbildung 6).

Abbildung 6: Ökosysteme, auch in der Stadt, sind definiert durch ihre Beziehungen zwischen verschiedenen Arten und Artengruppen. Hier besuchen zwei verschiedene Insektenarten den Schmalblättrigen Doppelsamen von Abbildung 5 (Düsseldorf, 15. August 2024; Fotos von B. A. Walther).
Darum zuerst ein großes Dankeschön an euch, unsere Datensammler*innen, für die schon eingeschickten Daten und Proben, und dann eine große Bitte an euch, auch 2025 weiter zu sammeln, und vielleicht noch weitere Teilnehmer*innen anzuwerben. Außerdem könnt ihr mithelfen, indem ihr Sammlungen mit neuen Teilnehmer*innen organisiert und leitet, oder bei der Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit helft.
Alle Fragen und Vorschläge bitte schicken an: Bruno Walther, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Gebäude 26.14, Raum 01.067, Universitätsstr. 1, 40225 Düsseldorf, Tel: 0211-81-13427, Email: Bruno.Walther@hhu.de
Weitere Informationen finden sich hier:
- https://buergeruni.hhu-blog.de/index.php/2025/01/15/nun-sind-es-die-jackson-5-buergerwissenschaftsprojekt-hat-nun-fuenf-stars-der-pflanzenforschung/ ↩︎
- https://buergeruni.hhu-blog.de/index.php/2025/01/15/nun-sind-es-die-jackson-5-buergerwissenschaftsprojekt-hat-nun-fuenf-stars-der-pflanzenforschung/ ↩︎
- https://www.puki.hhu.de/neuigkeiten ↩︎
- https://www.puki.hhu.de/fileadmin/redaktion/Fakultaeten/Mathematisch-Naturwissenschaftliche_Fakultaet/Biologie/puki/Anja_Linstaedter_Vorstellung_26._Sep._2024.pdf ↩︎
- https://buergeruni.hhu-blog.de/index.php/2025/01/15/nun-sind-es-die-jackson-5-buergerwissenschaftsprojekt-hat-nun-fuenf-stars-der-pflanzenforschung/ ↩︎
- Stichprobengröße – Definitionen, Erklärungen, Beispiele & Formeln. https://www.resonio.de/marktforschung/stichprobengroesse/#:~:text=Die%20Stichprobengr%C3%B6%C3%9Fe%20ist%20wichtig%2C%20weil,ungenau%20und%20nicht%20repr%C3%A4sentativ%20sein. ↩︎
Englische Version des Textes: https://www.puki.hhu.de/fileadmin/redaktion/Fakultaeten/Mathematisch-Naturwissenschaftliche_Fakultaet/Biologie/puki/First_results_from_PUKI.pdf