von Pavlo Mihunov und Dr. Julia Römhild
Im Wintersemester 2025/26 lief Phase 1 des Lehrprojekts „Impact-Messung in der Kulturvermittlung“ – und zwar nicht im luftleeren Theorieraum, sondern in enger Kooperation mit der Stiftung Zollverein als Kooperationspartnerin.

Die Stiftung entwickelt das UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen kontinuierlich als Lern-, Kultur- und Erlebnisort weiter – mit besonderem Fokus auf Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Zum Gelände gehören unter anderem der Denkmalpfad Zollverein, das Ruhr Museum, das Red Dot Design Museum sowie zahlreiche Bildungs-, Kultur- und Veranstaltungsorte auf dem Areal der ehemaligen Zeche und Kokerei.
Im Zentrum von Phase 1 steht die Frage, die sich viele Kulturbetriebe stellen – aber selten konsequent beantworten: Was bewirkt kulturelle Vermittlung eigentlich? Die Studierenden evaluieren konkrete Formate am Standort Zollverein, entwickeln gemeinsam mit der Stiftung geeignete Indikatoren und bereiten empirische Erhebungen vor. Dabei geht es nicht nur um Besuchszahlen – sondern um identitätsstiftende Wirkung, Partizipation und die Frage, wer in der kulturellen Praxis eines Ortes wirklich vorkommt. In den angrenzenden Stadtteilen leben viele Menschen mit türkischer und zunehmend auch ukrainischer Migrationsgeschichte. Das Ziel: Den Zollverein nicht nur als historisch gewachsenes Kulturdenkmal zu denken, sondern als partizipativ entwickeltes „gemeinsames Erbe“ – ein „Mein Zollverein“.

Wer ist eigentlich gemeint? Die Formate im Überblick
Untersucht werden vier Formate mit unterschiedlichen Zielgruppen:
Kunstkaue – Ein Ort im Quartier, an dem Kunst nicht im Museum hängt, sondern mitten im Alltag passiert.
Parkour und Jugendclub – Wo Kinder und Jugendliche einfach Kind sein können und dabei mehr lernen, als sie merken.
Erzählcafé: Auf einen Çay wendet sich an Menschen mit türkischer und ukrainischer Migrationsgeschichte. Ein Tee, ein Gespräch, eine Geschichte. Raum für Menschen, deren Stimmen oft zu wenig gehört werden.
Boulevard of Dreams – Ein Kulturfestival für die breite Stadtgesellschaft. Teilhabe, Diversität, Aufenthaltsqualität und nachhaltige Vernetzung stehen im Fokus des Festivals.
Woran messen wir Wirkung – und warum das nicht trivial ist
Im Lehrprojekt orientieren wir uns am Zielrahmen der Sustainable Development Goals (SDGs) der Agenda 2030 der UNESCO. Die 17 SDGs sind globale Ziele für nachhaltige Entwicklung – von Bildung und Gesundheit über soziale Gerechtigkeit bis hin zu nachhaltigen Städten. Sie dienen im Projekt als gemeinsamer Bewertungsrahmen: Welche gesellschaftliche Veränderung strebt ein Format an – und wie lässt sich das messen? Entlang dieser Formate verfolgt das Projekt zwei zentrale Wirkungspfade: Nachbarschaft und Community-Building (SDG 11) sowie kulturelle Teilhabe und Bildung (SDG 4) – und greift damit direkt die strategischen Zielsetzungen der Stiftung auf: Partizipation stärken, zivilgesellschaftliche Verantwortung fördern, demokratische Bottom-up-Strukturen ausbauen.
Was kommt als Nächstes? Raus aus dem Seminarraum, rein ins Feld!
Im Sommersemester folgt Phase 2: qualitative Methoden, Feldarbeit, Handlungsempfehlungen – die Ergebnisse gehen direkt an die Stiftung Zollverein. Wie ein kooperativer Forschungsprozess zwischen Uni und Kulturinstitution aussehen kann, wenn er ernst genommen wird – das zeigt dieses Projekt gerade.
Neugierig, wie das in der Praxis aussieht? Dann folgt uns – Impact Messung in der Kulturvermittlung! Das Projekt lebt von Austausch.
Pavlo Mihunov ist wissenschaftliche Hilfskraft im Rahmen des Lehr- und Praxisprojektes „Impact-Messung in der Kulturvermittlung: Praxisorientierte Ansätze und Methoden“ am Institut für Kunstgeschichte der HHU. Dr. Julia Römhild ist Leiterin des Projekts und akademische Rätin für den Bereich Kulturmanagement an der HHU.