von Bleona Kadriu, Sophie Frei, Mia Weichelt, Marie Freese, Ricarda Seidensticker und Rico Charly Braun
Das Vertrauen in die Wissenschaft ist weltweit deutlich höher, als öffentliche Debatten oft vermuten lassen. Dennoch ist immer von einer „Vertrauenskrise“ die Rede, insbesondere im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Kaum ein anderes Thema macht die politische Spaltung zwischen links und rechts so sichtbar. Diese Polarisierung führt weniger zu einem tatsächlichen Misstrauen gegenüber wissenschaftlichen Erkenntnissen als vielmehr zu der Wahrnehmung einer Krise. Dabei ist klar: Unser Alltag ist ohne Wissenschaft kaum vorstellbar.

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Dieses Vertrauen beruht auf vier Komponenten: Kompetenz, Integrität, Wohlwollen und Offenheit. Forschende, die in diesen Punkten als glaubwürdig wahrgenommen werden, stärken das Vertrauen in die Klimawissenschaft. Daher handeln Menschen mit hohem Vertrauen eher klimaorientiert, während fehlendes Vertrauen in die Wissenschaft viel mehr das Gegenteil bewirkt. Doch Vertrauen basiert nicht alleine auf Fakten – es wird durch Wahrnehmung und Identität geprägt.
Dieses Phänomen zeigt sich auch außerhalb der Wissenschaft. 89. Minute: Es steht 1:1 zwischen Bayern München und Borussia Dortmund. Bayern erzielt in letzter Sekunde das 2:1, doch der Schiedsrichter entscheidet auf Abseits. Die Dortmunder Fans jubeln, die Bayern-Fans protestieren. Obwohl alle dieselbe Szene sehen und sie per Video überprüft wird, bewerten beide Lager die Entscheidung völlig unterschiedlich – weil sie die Fakten durch die Brille ihrer eigenen Zugehörigkeit interpretieren. Dieses Beispiel macht deutlich, dass Vertrauen maßgeblich von der individuellen Wahrnehmung beeinflusst wird, im alltäglichen sowie im klimawissenschaftlichen Kontext.
Links vs. Rechts: Politische Orientierung als Einflussfaktor
Vertrauen in Wissenschaft ist zentral für evidenzbasierte Politik. Doch aktuelle Befunde zeigen eine wachsende politische Polarisierung dieses Vertrauens, vor allem in Bezug auf die Klimaforschung.
Die Assoziation zwischen politischer Orientierung und Vertrauen in die Wissenschaft ist vor allem in den USA empirisch belegt. Studien zeigen einen negativen Zusammenhang zwischen einer konservativ politischen Orientierung und dem durchschnittlichen Vertrauen in die Klima- und Umweltforschung. Eine international angelegte Untersuchung mit Daten aus 68 Ländern bestätigt, dass die politische Orientierung weltweit Einfluss auf die Akzeptanz klimawissenschaftlicher Erkenntnisse hat.
Misstrauen, Desinformation und die „laute Minderheit“
Skepsis gegenüber der Klimawissenschaft wirkt sich messbar auf den öffentlichen Diskurs aus. Vielleicht habt ihr das selbst in sozialen Medien schon beobachtet: Besonders laut treten dort jene auf, die der Wissenschaft misstrauen – eine „laute Minderheit“ die deutlich mehr Aufmerksamkeit erhält, als es ihrem tatsächlichen Anteil entspricht. So erklärt sich auch, warum häufig von einer Vertrauenskrise gesprochen wird, obwohl Umfragen insgesamt ein moderat bis hohes Vertrauen in die Wissenschaft zeigen.
Das durch laute Minderheiten erzeugte Klima des Misstrauens stützt sich dabei auf gezielte Narrative gegen die Glaubwürdigkeit der Forschenden. Diese Gruppen nutzen reale strukturelle Probleme, um Zweifel an der Integrität und Objektivität der Wissenschaft zu säen. Den Forschenden wird dabei unterstellt, Ergebnisse systematisch zu übertreiben oder befangen zu sein, um eine bestimmte Agenda voranzutreiben. Solche Argumente werden von den lauten Minderheiten gezielt als wissenschaftspopulistische Diskurse verbreitet, um das allgemeine Vertrauen in die Forschung weiter zu schwächen.
Transparente Kommunikation schafft Vertrauen
In Anbetracht der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse sowie der gesellschaftlichen Dynamiken stellt sich die Frage, welche Konsequenzen sich daraus für die Kommunikation der Klimawissenschaft ergeben und wie diese künftig gestaltet werden sollte. Wenn politische Identität beeinflusst, ob Menschen der Klimawissenschaft vertrauen, muss sich auch die Kommunikation daran anpassen.
Eine zentrale Aufgabe ist es, wissenschaftliche Prozesse transparenter zu machen. Viele Gründe für Misstrauen sind nur aufzulösen, wenn Forschende klar erklären, warum Unsicherheiten ein normaler Teil wissenschaftlicher Erkenntnis sind. Offenheit stärkt die vier Vertrauensdimensionen: Kompetenz, Integrität, Wohlwollen und Transparenz. Eine verständliche, alltagsnahe und dialogorientierte Kommunikation – insbesondere in digitalen Medien – kann dazu beitragen, Abwehrreaktionen zu reduzieren und Vertrauen zu stärken.
Bleona Kadriu, Sophie Frei, Mia Weichelt, Marie Freese, Ricarda Seidensticker und Rico Charly Braun sind Studierende der Heinrich-Heine-Universität. Dieser Blogbeitrag ist im Rahmen des Seminars „Vertrauen in die Wissenschaft – verstehen, kommunizieren, stärken (Fokus Klimawissenschaften)” entstanden.